Katachrese als Stilmittel

Kühne Bildmischungen in Literatur und Alltag

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Die Katachrese ist ein rhetorisches Stilmittel, das je nach Begriffsverständnis eine verblasste Bildlichkeit oder die Vermengung nicht zusammengehöriger Metaphern bezeichnet. In der Alltagssprache begegnet sie etwa in festen Bezeichnungen wie „Tischbein“; in Literatur und Werbung können Bildmischungen zudem gezielt eingesetzt werden, um eine überraschende oder humorvolle Wirkung zu erzielen.

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Textanalyse: Gerüst für Sachtext, Rede und Figur

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Was ist eine Katachrese? Kurze Definition und Begriffsgebrauch

Die Katachrese (griechisch für „Missbrauch“) bezeichnet in der Rhetorik je nach Begriffsverständnis entweder die übertragene Verwendung eines Ausdrucks für eine Bezeichnungslücke oder die Verbindung zweier bildhafter Ausdrücke aus unterschiedlichen, eigentlich unpassenden Vorstellungsbereichen. Häufig entsteht die Bildmischung, wenn eine Metapher mit einem zweiten, logisch nicht passenden Bild vermischt wird, etwa wenn jemand sagt: „Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.“ Bei Alltagswendungen wie „Tischbein“ oder „Flaschenhals“ wird dagegen ein übertragener Ausdruck verwendet, weil keine eigene Bezeichnung zur Verfügung steht; die Bildlichkeit ist meist sprachhistorisch erstarrt. Solche Bezeichnungen sind nicht als Zusammenstoß mehrerer Bildbereiche zu verstehen. Bewusst gesetzte Bildmischungen können in literarischen Texten oft überraschend wirken.

Katachrese erkennen: Checkliste zur Bildmischung
Katachrese im Überblick.

Welche Wirkung und Funktion hat dieses Stilmittel?

Die Wirkung einer bewusst gesetzten Bildmischung kann auf dem Bruch mit der Bildkohärenz beruhen: Treffen unterschiedliche Vorstellungsbereiche aufeinander, kann dies irritieren, komisch wirken oder zum genaueren Hinsehen anregen. In der Lyrik kann eine solche Formulierung Emotionen oder innere Zustände verdichten; in der Werbung kann sie Aufmerksamkeit erzeugen. Bei erstarrten Wendungen bleibt die frühere Bildlichkeit dagegen häufig unbemerkt. Welche Wirkung vorliegt, ergibt sich jeweils aus dem Kontext.

Beispiele für Katachrese in Literatur, Werbung und Alltag

Ein frei gebildetes, eindeutiges Beispiel für eine Bildmischung kann die Formulierung „Die Idee ist aus dem Ruder gelaufen und steckt nun in einer Sackgasse“ sein: Sie verbindet ein Schiffsbild mit einem Straßenbild. Die Formulierungen „das Steuer des Schicksals in die Hand nehmen“, „zünde ein Geschmacksfeuerwerk“ und „öffne ein Tor zu neuen Welten“ sind jeweils einzelne metaphorische Übertragungen; sie lassen sich auf ihre Wirkung hin prüfen, bilden aber für sich keine eindeutige Katachrese. Im Alltag werden Ausdrücke wie „Flaschenhals“ oder „Tischbein“ meist nicht mehr als bildhaft erkannt; sie gelten als Fälle verblasster Bildlichkeit.

Abgrenzung: Katachrese, Metapher und Mixed Metaphor

Die Begriffe Metapher, Katachrese und Mixed Metaphor werden in Rhetorik und Sprachwissenschaft nicht immer einheitlich voneinander abgegrenzt. Eine Metapher überträgt einen Ausdruck auf einen anderen Sachverhalt. Als Katachrese kann entweder eine verblasste Bildlichkeit wie „Tischbein“ oder eine Vermengung nicht zusammengehöriger Metaphern bezeichnet werden. Eine Mixed Metaphor wird häufig als Bildbruch beschrieben; ob sie als Fehler oder als beabsichtigtes Stilmittel gilt, hängt vom Kontext ab. Von der Personifikation unterscheidet sich eine Bildmischung dadurch, dass nicht lediglich menschliche Eigenschaften übertragen werden, sondern mehrere Bildbereiche zusammentreffen.

Katachrese analysieren: Schritte mit Beispiel

Formuliere und erkenne das Stilmittel in der Analyse

Um dieses Stilmittel in einem Gedicht oder Prosatext zu untersuchen, prüfe zunächst, ob eine Formulierung unterschiedliche Bildbereiche verbindet oder ob eine verblasste Bildlichkeit vorliegt. Nicht jede schwer wörtlich vorstellbare Formulierung ist eine Katachrese; maßgeblich sind Wortlaut und Kontext. Benenne in der Analyse das gewählte Begriffsverständnis, belege deine Beobachtung mit einem Zitat und erläutere anschließend die beteiligten Bildbereiche sowie die Wirkung im Kontext. Den Wortlaut eines wörtlichen Zitats übernimmst du unverändert; prüfen lassen sich nur Einbettung, Zeichensetzung außerhalb des Zitats, Attribution und Belegkontext. Weitere Figuren im Überblick findest du im Beitrag Alle Stilmittel im Überblick; Aufbauhilfen liefert der Artikel zur Gedichtanalyse.

Fazit: Bildmischung bewusst einsetzen und richtig deuten

An der Katachrese zeigt sich, dass Bildlichkeit unterschiedlich wirksam sein kann: Sie kann in festen Bezeichnungen verblassen oder als bewusste Bildmischung irritieren und eine Aussage zuspitzen. Für die Analyse ist entscheidend, das gewählte Begriffsverständnis offenzulegen, die Formulierung von Metapher und Personifikation abzugrenzen und ihre Wirkung am konkreten Textbeispiel zu belegen.

Die wichtigsten Definitionen rund um „Katachrese“ kompakt erklärt.

Vertiefte Analysen weiterer Figuren: Correctio, Leitmotiv sowie Gesamtübersicht aller Stilmittel.

Wenn du unsicher bist, ob deine Bildsprache in einer eigenen Analyse, einem Aufsatz oder einer Bewerbung stimmig klingt, hilft ein Blick von außen: Unser Lektorat prüft Wortwahl und Stilmittel professionell.

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Häufige Fragen zur Katachrese

Was bedeutet „Katachrese“ wörtlich?

Das Wort geht auf das griechische katáchrēsis zurück, was „Missbrauch“ bedeutet. In der Rhetorik und Stilkunde bezeichnet Katachrese je nach Begriffsverständnis entweder die übertragene Verwendung eines Ausdrucks, etwa in „Bein des Tisches“, oder die Vermengung nicht zusammengehöriger Metaphern.

Ist die Katachrese immer ein Stilfehler?

Nein. Ob eine Bildmischung als Stilfehler gilt, hängt vom Kontext und vom beabsichtigten Effekt ab. Verblasste Bildlichkeit wie „Tischbein“ ist normaler Sprachgebrauch; eine unbeabsichtigte Bildmischung kann dagegen unklar oder unfreiwillig komisch wirken.

Wie unterscheidet sich die Katachrese von einer Metapher?

Während eine Metapher einen Ausdruck auf einen anderen Sachverhalt überträgt, hat der Begriff Katachrese eine variable Spannbreite: Er kann eine verblasste Bildlichkeit bedeuten oder die Vermengung nicht zusammengehöriger Metaphern. Damit eine Analyse sauber funktioniert, sollte daher ausdrücklich genannt werden, welches Begriffsverständnis gerade zugrunde gelegt wird.

Welche Wirkung kann eine Katachrese in einem Gedicht haben?

Eine Katachrese kann Spannung oder Irritation erzeugen, wenn unterschiedliche Bilder aufeinandertreffen. Je nach Kontext kann sie Emotionen verdichten, abstrakte Gedanken anschaulich machen oder humorvoll wirken. Welche Wirkung im Einzelfall vorliegt, lässt sich nur aus dem konkreten Gedicht erschließen.

Gilt „Tischbein“ als Beispiel für eine Katachrese?

„Tischbein“ wird häufig als Beispiel für verblasste Bildlichkeit genannt: Die Bezeichnung überträgt „Bein“ auf ein Teil eines Tisches. Im heutigen Sprachgebrauch ist diese Bildlichkeit meist nicht mehr auffällig.

Wie formuliere ich die Wirkung einer Katachrese in einer Textanalyse?

Benenne zunächst das verwendete Begriffsverständnis und belege deine Beobachtung mit einem Zitat aus dem Text. Erläutere anschließend die beteiligten Bildbereiche oder die verblasste Bildlichkeit und deute die Wirkung im konkreten Kontext. Wörtliche Zitate müssen unverändert bleiben; prüfen lassen sich nur ihre Einbettung, Zeichensetzung außerhalb des Zitats, Attribution und Belegkontext.

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