Antonomasie: Stilmittel, Wirkung und Beispiele

Rhetorische Figur mit Wirkung im Text

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Die Antonomasie ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem ein Eigenname durch eine kennzeichnende Umschreibung ersetzt wird oder ein Name selbst zum Gattungsbegriff für eine bestimmte Eigenschaft wird. Sie verdichtet Informationen, wertet, charakterisiert oder ehrt eine Person, ohne den eigentlichen Namen zu nennen, und ist eng mit Metonymie und Periphrase verwandt. In Literatur, Werbung und Alltagssprache begegnet sie häufig, etwa wenn von einem Casanova oder der ewigen Stadt die Rede ist, und verlangt vom Publikum entsprechendes Vorwissen.

Definition: Was ist eine Antonomasie?

Die Antonomasie (aus dem Griechischen für „Umbenennung") ist eine besondere Form der Metonymie beziehungsweise Periphrase. Sie tritt in zwei Richtungen auf: Entweder wird ein Eigenname durch eine kennzeichnende Umschreibung ersetzt, etwa wenn Goethe als der Dichterfürst bezeichnet wird, oder ein bekannter Eigenname wandert in die Alltagssprache und steht dort für einen Typus oder eine Eigenschaft, wie bei ein Judas für einen Verräter. In beiden Fällen tritt der eigentliche Name in den Hintergrund, während eine charakterisierende Eigenschaft in den Vordergrund rückt. Einen Überblick über weitere Figuren dieser Art bietet die Seite Alle Stilmittel im Überblick.

Antonomasie
Antonomasie im Überblick.

Wirkung und Funktion in Text und Rede

Die Wirkung der Antonomasie beruht auf Verdichtung: Statt eine Person ausführlich zu beschreiben, genügt ein einziger Name oder eine einzige Umschreibung, um ein ganzes Bündel an Eigenschaften aufzurufen. Wird ein Eigenname zum Gattungsbegriff, transportiert er automatisch eine Wertung, oft ironisch, bewundernd oder abwertend, wie bei ein Adonis für einen besonders attraktiven Mann. Wird umgekehrt ein Name durch eine Umschreibung ersetzt, entsteht häufig ein feierlicher, distanzierender oder poetischer Ton, etwa in Reden oder Gedichten. Die Figur setzt zudem kulturelles Vorwissen voraus: Nur wer die Anspielung erkennt, versteht die volle Bedeutung. Dadurch eignet sich die Antonomasie besonders gut, um Texte prägnant, bildhaft und einprägsam zu gestalten, ohne auf ausführliche Erklärungen angewiesen zu sein.

Beispiele für die Antonomasie in Literatur, Werbung und Alltag

Ein klassisches Beispiel für die erste Richtung liefert Goethe, der in vielen Texten als der Dichterfürst oder der Olympier von Weimar erscheint, ohne dass sein Name fällt. Die Bibel bezeichnet Jesus oft als den Sohn Gottes anstelle des Eigennamens. Die zweite Richtung zeigt sich im Alltag: Wer als Frauenheld gilt, wird schnell ein Casanova genannt, ein Verräter ein Judas, ein ungewöhnlich kluger Mensch ein Einstein. Auch die Werbung nutzt dieses Prinzip, wenn ein Markenname zum Gattungsbegriff für eine ganze Produktkategorie wird, etwa Tempo für Papiertaschentücher. In jedem Fall ersetzt die Bezeichnung den eigentlichen Namen oder Begriff vollständig und ruft stattdessen ein festes Bedeutungsbild auf.

Abgrenzung zu Metonymie, Periphrase und Epitheton

Die Antonomasie wird oft mit verwandten Figuren verwechselt. Die Metonymie ersetzt einen Begriff generell durch einen sachlich benachbarten Ausdruck (etwa die Krone für den König); die Antonomasie ist eine spezielle Unterform davon, die sich ausschließlich auf Eigennamen bezieht. Die Periphrase (Umschreibung) ersetzt ein Wort durch mehrere beschreibende Wörter, ohne dabei zwingend einen Namen zu betreffen; ersetzt die Periphrase konkret einen Eigennamen, spricht man von Antonomasie im engeren Sinn. Vom Epitheton unterscheidet sie sich dadurch, dass ein Beiwort wie der listenreiche Odysseus den Namen zusätzlich schmückt, ihn aber nicht ersetzt. Bleibt der Name stehen, liegt kein antonomastischer Ersatz vor, sondern lediglich ein charakterisierendes Attribut.

Antonomasie

So erkennt und benennt man die Figur in der Analyse

In einer Gedicht- oder Textanalyse fällt die Antonomasie meist dadurch auf, dass eine Person nicht beim eigentlichen Namen genannt wird, sondern durch eine auffällige Umschreibung oder einen anderen Eigennamen ersetzt erscheint. Zunächst wird die Textstelle zitiert und die ersetzte beziehungsweise übertragene Bezeichnung benannt. Anschließend wird die Wirkung formuliert: Wird die Person dadurch erhöht, ironisiert, distanziert oder typisiert? Wichtig ist der Blick auf den Kontext, etwa ob die Bezeichnung wiederholt auftaucht oder gebrochen eingesetzt wird. Eine gelungene Formulierung lautet zum Beispiel: „Durch die Antonomasie wird die Figur nicht individuell, sondern als Verkörperung einer Eigenschaft dargestellt." Wer die eigene Gedichtanalyse absichern möchte, sollte solche Stilmittel stets im Zusammenhang mit Aussage und Wirkung des gesamten Textes deuten.

Fazit: Prägnante Wirkung durch Namensspiel

Die Antonomasie zeigt, wie viel Bedeutung ein einzelner Name tragen kann: Ersetzt er eine ausführliche Beschreibung, wirkt ein Text konzentrierter und bildhafter; wird umgekehrt ein Name zum Gattungsbegriff, entsteht ein fester Bezugspunkt für eine ganze Eigenschaft oder einen Typus. Für Schule und Studium lohnt es sich, beide Richtungen der Figur zu kennen und in eigenen Beispielen zu unterscheiden, statt sie pauschal mit anderen Ersetzungsfiguren gleichzusetzen. Wer die Antonomasie sicher erkennt, benennt und in ihrer Wirkung einordnet, gewinnt ein präzises Werkzeug für die Analyse von Gedichten, Reden und literarischen Texten aller Epochen und kann damit auch komplexere Stilmittel-Kombinationen souverän beschreiben.

So sind Definition rund um „Antonomasie“ auf einen Blick erklärt.

Weitere Stilmittel im Detail: Epanalepse, Asyndeton und Alle Stilmittel im Überblick.

Für eine fundierte Gedicht- oder Textanalyse mit korrekt erkannten Stilmitteln unterstützt Sie unser Lektorat mit einer sorgfältigen Prüfung Ihres Textes.

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Häufige Fragen zur Antonomasie

Was ist eine Antonomasie einfach erklärt?

Eine Antonomasie liegt vor, wenn ein Eigenname durch eine kennzeichnende Umschreibung ersetzt wird, etwa der Dichterfürst für Goethe, oder wenn ein bekannter Name selbst zum Gattungsbegriff für eine Eigenschaft wird, etwa ein Casanova für einen Frauenhelden. Beide Richtungen verdichten Bedeutung in einem einzigen Ausdruck und ersetzen den ursprünglichen Namen vollständig.

Welche zwei Arten der Antonomasie gibt es?

Man unterscheidet zwei Richtungen: Bei der ersten ersetzt eine Umschreibung einen Eigennamen, etwa „der Sonnenkönig" für Ludwig XIV. Bei der zweiten wird ein Eigenname zum Gattungsbegriff für eine Eigenschaft oder einen Typus, etwa ein Judas für einen Verräter oder ein Herkules für einen sehr starken Menschen. Beide Formen gelten gleichermaßen als Antonomasie.

Worin unterscheiden sich Antonomasie und Metonymie?

Die Metonymie ist der Oberbegriff: Sie ersetzt einen Ausdruck durch einen sachlich verwandten, etwa die Krone für den König. Die Antonomasie ist eine speziellere Unterform, die sich ausschließlich auf Eigennamen bezieht, indem sie einen Namen durch eine Umschreibung ersetzt oder einen Namen zum allgemeinen Begriff macht.

Worin unterscheiden sich Antonomasie und Epitheton?

Ein Epitheton fügt einem Namen ein charakterisierendes Beiwort hinzu, der Name selbst bleibt aber stehen, wie bei „der listenreiche Odysseus". Bei der Antonomasie verschwindet der Eigenname vollständig und wird durch eine Umschreibung oder einen anderen Namen ersetzt. Entscheidend ist also, ob der ursprüngliche Name im Text noch genannt wird oder nicht.

Welche Wirkung hat eine Antonomasie im Gedicht?

In einem Gedicht verdichtet die Antonomasie eine Person oder Sache auf ein prägnantes Bild und löst je nach Kontext Bewunderung, Ironie, Distanz oder Erhöhung aus. Da die Figur kulturelles Vorwissen voraussetzt, wirkt sie zudem anspielungsreich und lädt die Leserinnen und Leser dazu ein, die Anspielung selbst zu entschlüsseln.

Wie erkenne ich eine Antonomasie im Text?

Achten Sie darauf, ob eine Person nicht beim eigentlichen Namen genannt, sondern durch eine auffällige Umschreibung oder einen anderen Eigennamen ersetzt wird. Prüfen Sie anschließend, welche Eigenschaft dadurch betont wird und ob der Ausdruck wiederholt oder ironisch gebrochen erscheint. So lässt sich die Wirkung der Antonomasie in der Analyse präzise benennen.

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