Anadiplose: Bedeutung, Wirkung und Beispiele

Das Stilmittel der Wortwiederholung am Satzübergang verständlich erklärt

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Die Anadiplose ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem das letzte Wort eines Satzes oder Verses den folgenden Satz oder Vers eröffnet. Diese enge Verkettung verbindet zwei Gedanken unmittelbar miteinander, betont das wiederholte Wort zusätzlich und schafft Rhythmus sowie Nachdruck im Text. In Literatur, Reden und sogar in bekannten Filmzitaten sorgt die Figur dafür, dass eine Aussage besonders eindringlich wirkt. Wer die Anadiplose in einer Gedicht- oder Textanalyse korrekt erkennt und ihre Wirkung präzise beschreibt, punktet in Schule und Studium mit einer fundierten Stilmittelanalyse.

Definition: Was ist eine Anadiplose?

Die Anadiplose ist ein rhetorisches Stilmittel der Wiederholung. Dabei wird das letzte Wort oder die letzte Wortgruppe eines Satzes, Verses oder Halbverses an den Anfang des unmittelbar folgenden Satzes oder Verses gestellt. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Verdopplung oder Wiederaufnahme. Formal entsteht dadurch eine Kette: Ein Satz endet mit einem bestimmten Wort, der nächste Satz beginnt erneut mit genau diesem Wort. Diese Verkettung kann sich über mehrere Sätze oder Verse fortsetzen und wird dann häufig als Gradatio oder Klimax bezeichnet. In der Sammlung Alle Stilmittel im Überblick zählt die Anadiplose zu den Wiederholungsfiguren, ähnlich wie Anapher und Epipher, unterscheidet sich von diesen aber deutlich durch ihre feste Position genau am Übergang zwischen zwei Sätzen oder Versen.

Anadiplose: Überblick
Anadiplose im Überblick.

Wirkung und Funktion in Texten

Die Wirkung der Anadiplose beruht auf der engen Verknüpfung zweier aufeinanderfolgender Gedanken. Weil das Schlusswort des einen Satzes zum Startwort des nächsten wird, entsteht ein spürbarer Übergang ohne Bruch, fast wie eine gedankliche Brücke. Dadurch wirkt der Text besonders eindringlich, weil das wiederholte Wort im Ohr bleibt und zusätzlich betont wird. Häufig dient die Figur dazu, eine Aussage zu vertiefen, eine Ursache-Wirkung-Kette sichtbar zu machen oder eine Steigerung vorzubereiten. Gerade in Reden, Gedichten und Slogans erzeugt die Wiederholung Rhythmus und Nachdruck, der Leser oder Hörer erinnert sich leichter an die zentrale Idee. In der Analyse lohnt es sich deshalb, nicht nur die Wiederholung selbst zu benennen, sondern auch zu fragen, welcher Gedanke durch die Verbindung besonders hervorgehoben wird und welche Beziehung zwischen den beiden Sätzen dadurch entsteht, etwa eine logische Folge oder eine emotionale Verstärkung.

Beispiele aus Literatur und Popkultur

Ein bekanntes Beispiel liefert die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers, Johannes 1,1: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Hier wird zweimal hintereinander das Satzende zum neuen Satzanfang, einmal mit Wort, einmal mit Gott, wodurch die enge Verbindung der Begriffe betont wird. Ein zweites Beispiel stammt aus einem vielzitierten Filmdialog: Angst führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu Leiden. Diese Kette aus drei Anadiplosen baut eine Ursache-Wirkung-Reihe auf und wirkt dadurch wie eine kleine Warnung mit steigender Dringlichkeit. Auch im Alltag begegnet man der Figur, etwa in Sätzen wie: Übung macht den Meister, und der Meister lehrt wieder Übung. Solche Beispiele zeigen, dass die Anadiplose nicht nur in klassischer Literatur, sondern auch in Popkultur und gesprochener Sprache eine feste Wirkung entfaltet: Sie verknüpft, betont und führt den Gedanken konsequent weiter.

Abgrenzung zu ähnlichen Stilmitteln

Die Anadiplose wird leicht mit anderen Wiederholungsfiguren verwechselt. Die Anapher wiederholt ein Wort am Anfang mehrerer aufeinanderfolgender Sätze oder Verse, unabhängig davon, wie der vorherige Satz endet, während die Anadiplose gezielt das Satzende aufgreift. Die Epipher wiederholt dagegen ein Wort am Ende mehrerer Sätze oder Verse und wirkt damit spiegelbildlich zur Anapher. Werden Anfangs- und Endwiederholung kombiniert, spricht man von einer Symploke. Eine Sonderform der Anadiplose ist die Gradatio, manchmal auch Klimax genannt: Hier wird die Kette aus mehreren Anadiplosen fortgesetzt, wobei die Bedeutung von Glied zu Glied gesteigert wird, wie im Beispiel mit der Kette aus Angst, Wut und Hass. Von einer einfachen Wortwiederholung, der Repetitio, unterscheidet sich die Anadiplose durch ihre feste Position genau am Satzübergang. Wer diese Unterschiede kennt, kann Stilmittel in einer Gedichtanalyse präziser benennen und begründen.

Anadiplose: Schritte

Erkennen und Formulieren in der Analyse

Um eine Anadiplose zu erkennen, prüfen Sie zunächst, ob das letzte Wort eines Satzes oder Verses am Anfang des nächsten wiederkehrt, und zwar wortgleich oder zumindest in derselben Wortform. Markieren Sie beide Stellen im Text und notieren Sie, welche Bedeutungsverschiebung oder Steigerung dadurch entsteht. In der schriftlichen Analyse reicht die reine Benennung nicht aus: Formulieren Sie stattdessen, welche Wirkung die Verkettung konkret erzeugt, etwa Nachdruck, eine gedankliche Brücke oder eine Ursache-Wirkung-Beziehung. Eine mögliche Formulierung lautet: Durch die Anadiplose in Vers drei und vier verknüpft der Sprecher die beiden Aussagen unmittelbar und hebt dadurch die zentrale Idee hervor. Wichtig ist außerdem der Kontext: Steht die Anadiplose in einem Gedicht mit Enjambement, verstärkt sie oft zusätzlich den Lesefluss über die Verszeile hinaus. Wer eine Gedichtanalyse verfasst und sich bei der Formulierung unsicher ist, sollte die Textstelle genau zitieren und die Wirkung anschließend in eigenen Worten begründen.

Fazit zur Anadiplose als Stilmittel

Die Anadiplose gehört zu den wirkungsvollsten Wiederholungsfiguren, weil sie zwei Sätze oder Verse unmittelbar miteinander verklammert und dadurch Nachdruck, Rhythmus und gedankliche Klarheit erzeugt. Wer das Stilmittel in einem Text entdeckt, sollte nicht nur die Wiederholung selbst benennen, sondern auch erklären, welche Beziehung zwischen den beiden Satzteilen entsteht und warum die Autorin oder der Autor genau diese Stelle verkettet hat. Ob in biblischen Texten, in Gedichten, in Reden oder in modernen Filmdialogen: Die Anadiplose bleibt ein bewährtes Mittel, um Gedanken eindringlich miteinander zu verbinden. Für Schule und Studium lohnt sich deshalb der geübte Blick auf Satzanfänge und Satzenden, denn genau dort verbirgt sich dieses kleine, aber wirkungsvolle Stilmittel. Bei der schriftlichen Ausarbeitung einer Analyse hilft zudem ein zweiter Blick von außen, damit Formulierungen zu Stilmitteln wie der Anadiplose klar, korrekt und nachvollziehbar bleiben.

So sind Definition rund um „Anadiplose“ auf einen Blick erklärt.

Weitere Stilmittel im Detail: Hyperbaton, Parataxe und Alle Stilmittel im Überblick.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Stilmittelanalyse zur Anadiplose fachlich korrekt und sprachlich präzise formuliert ist, hilft ein professionelles Lektorat weiter.

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Häufige Fragen zur Anadiplose

Was bedeutet Anadiplose?

Anadiplose bezeichnet ein rhetorisches Stilmittel, bei dem das letzte Wort oder die letzte Wortgruppe eines Satzes oder Verses an den Anfang des folgenden Satzes oder Verses gestellt wird. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Verdopplung. Die Figur verbindet zwei aufeinanderfolgende Aussagen und betont das wiederholte Wort zusätzlich.

Worin unterscheidet sich die Anadiplose von der Anapher?

Bei der Anapher steht das wiederholte Wort am Anfang mehrerer aufeinanderfolgender Sätze oder Verse, unabhängig davon, wie der jeweils vorherige Satz endet. Bei der Anadiplose dagegen wird gezielt das letzte Wort eines Satzes im nächsten Satz wiederholt. Die Anadiplose erzeugt dadurch eine engere, direkte Verbindung zwischen genau zwei Sätzen.

Was ist der Unterschied zwischen Anadiplose und Epipher?

Die Epipher wiederholt ein Wort am Ende mehrerer aufeinanderfolgender Sätze oder Verse und betont damit den Abschluss der Aussagen. Die Anadiplose dagegen nimmt das Schlusswort eines Satzes auf und setzt es an den Anfang des nächsten Satzes. Beide Figuren beruhen auf Wiederholung, unterscheiden sich aber in ihrer Position im Satzgefüge.

Was ist eine Gradatio oder Klimax im Zusammenhang mit der Anadiplose?

Wird eine Anadiplose über mehrere Sätze oder Verse fortgesetzt, sodass sich die Bedeutung von Glied zu Glied steigert, spricht man von einer Gradatio, häufig auch Klimax genannt. Ein bekanntes Beispiel ist die Kette Angst, Wut und Hass, in der jede Wiederholung die vorangegangene Aussage intensiviert und so eine wachsende Dringlichkeit erzeugt.

Wie erkenne ich eine Anadiplose in einem Gedicht?

Achten Sie auf das letzte Wort jedes Satzes oder Verses und prüfen Sie, ob genau dieses Wort den folgenden Satz oder Vers eröffnet. Markieren Sie beide Stellen und notieren Sie, welche Wirkung die Verkettung erzeugt, etwa eine gedankliche Brücke, eine Ursache-Wirkung-Beziehung oder eine Steigerung, wie es bei einer Gradatio der Fall ist.

Wozu dient die Anadiplose in Texten?

Die Anadiplose verbindet zwei Sätze oder Verse unmittelbar miteinander, betont das wiederholte Wort zusätzlich und erzeugt dadurch Nachdruck sowie Rhythmus. Häufig macht sie eine Ursache-Wirkung-Beziehung sichtbar oder bereitet eine Steigerung vor. In Reden, Gedichten und Werbetexten sorgt sie dafür, dass eine zentrale Aussage besonders eindringlich im Gedächtnis bleibt.

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