Das Sechs-Stufen-Modell der Reflexion Schritt für Schritt erklärt
Reflexionsmodell nach Gibbs: die sechs Stufen im Überblick
Dieser Beitrag erklärt das Reflexionsmodell nach Gibbs von der Situationsbeschreibung über Gefühle und Bewertung bis zu Analyse, Schlussfolgerung und Handlungsplan. Für den allgemeinen Einstieg in das Thema hilft auch Reflexion schreiben.
Der Zyklus aus sechs Stufen im Überblick
Der Kreislauf umfasst sechs Stufen: die Beschreibung der Situation und die Gefühle während der Situation. Danach folgt die Bewertung dessen, was gut oder schlecht lief, bevor die Analyse die Erfahrung einordnet. Die Schlussfolgerung hält das Gelernte fest; ein Handlungsplan richtet sich auf eine künftige ähnliche Situation. Reflexion schreiben heißt hier zunächst, den Anlass festzuhalten: Was ist geschehen? Danach werden die Gefühle während und nach dem Ereignis benannt. Es folgt eine Bewertung der gelungenen und der weniger gelungenen Teile. Die Analyse ordnet die Erfahrung ein und fragt nach Gründen für den Verlauf. Anschließend hält die Schlussfolgerung fest, was aus der Situation gelernt werden kann. Den Abschluss bildet ein Handlungsplan für eine spätere vergleichbare Situation.
Der Ablauf ist als Kreis gedacht, nicht als einmalige Liste. Nach dem Handlungsplan beginnt bei einer neuen ähnlichen Erfahrung wieder die Beschreibung. So lässt sich dieselbe Struktur erneut auf einen praktischen Anlass anwenden. Die Beschreibung hält die Situation fest, während die folgenden Stufen Gefühle, Bewertung und Analyse aufgreifen. Die Schlussfolgerung bündelt den Rückblick, während der Handlungsplan eine nächste Handlung beschreibt. Beispielsweise kann nach einer unklar verlaufenen Besprechung festgehalten werden, welche Frage beim nächsten Termin früh gestellt werden soll. Das bleibt eine konkrete Planung für die nächste ähnliche Erfahrung und ersetzt keine Behauptung über deren Ergebnis. Die sechs Punkte helfen dabei, Praktikums- oder Berufserfahrungen geordnet aufzuarbeiten. Entscheidend ist, dass Beschreibung und Gefühle sowie Bewertung, Analyse, Schlussfolgerung und Plan erkennbar voneinander getrennt bleiben.

Herkunft und Unterschiede zu anderen Modellen
Der Fachbeitrag von Äppli und Lötscher stellt das Modell von Graham Gibbs aus dem Jahr 1988 mit sechs Phasen vor. Zu ihnen zählen Beschreibung, Gefühle und Bewertung. Analyse, Schlussfolgerung und Handlungsplan ergänzen diese Folge. Der Beitrag stellt daneben den Lernzyklus von Kolb und Fry aus dem Jahr 1975 dar. Er umfasst vier Phasen. Als weiteres Modell nennt der Beitrag das ALACT-Modell von Korthagen aus dem Jahr 1985 mit fünf Phasen. Dazu gehören Handeln, Rückblick auf das Handeln, Bewusstwerden wesentlicher Aspekte, Erarbeiten von Handlungsalternativen und Ausprobieren.
| Modell | Anzahl Stufen | Jahr |
|---|---|---|
| Gibbs | 6 | 1988 |
| Kolb und Fry | 4 | 1975 |
| Korthagen | 5 | 1985 |
Aufbau, Stufenzahl und Bezeichnungen unterscheiden die drei im Fachbeitrag gegenübergestellten Modelle. Bei Gibbs stehen sechs Phasen im Vordergrund, während Kolb und Fry mit vier Phasen und Korthagen mit fünf Phasen dargestellt werden. Die Tabelle fasst diese formalen Angaben zusammen. Für die Abgrenzung ist außerdem wichtig, dass die Phasen nicht nur unterschiedlich gezählt, sondern auch unterschiedlich benannt werden. So enthält die Darstellung von Korthagen unter anderem den Rückblick auf das Handeln, das Bewusstwerden wesentlicher Aspekte und das Ausprobieren. Bei Gibbs stehen dagegen zunächst Gefühle, Bewertung und Analyse; Schlussfolgerung und Handlungsplan sind weitere eigene Phasen.
Äppli und Lötscher ordnen Gibbs, Kolb und Fry sowie Korthagen einer gemeinsamen Tradition zyklischer Reflexionsmodelle in der Lehrerbildung zu. Daraus folgt für diesen Vergleich keine Aussage darüber, wie die Modelle in einzelnen Studiengängen gewichtet oder gelehrt werden. Wenn eine Aufgabenstellung ein bestimmtes Modell nennt, können Sie deshalb die dort bezeichneten Phasen verwenden und bei unklaren Vorgaben den Leitfaden des Fachbereichs prüfen oder die betreuende Person ansprechen.
Praktische Fragen für jede einzelne Stufe
Leitfragen können die sechs Stufen konkretisieren. Für die Beschreibung passen Fragen nach dem Geschehen, dem Zeitpunkt und den beteiligten Personen. Bei den Gefühlen geht es darum, wie sich die Person während der Situation und danach gefühlt hat. Die Bewertung fragt, welche Teile gut verliefen und welche schlecht verliefen. In der Analyse steht die Frage, weshalb ein Teil der Situation gut oder schlecht lief. Diese Fragen beziehen sich auf die jeweilige Erfahrung und können nacheinander beantwortet werden.
kritische Reflexion beginnt bei der Schlussfolgerung mit der Frage, was anders hätte gemacht werden können. Für den Handlungsplan lautet die Leitfrage, wie das Gelernte künftig angewendet werden kann. Daraus kann etwa ein kurzer Plan entstehen: Bei einer nächsten Besprechung wird vorab eine offene Frage notiert und im Gespräch gestellt. Die Beschreibung bleibt dabei beim Anlass, die Gefühlsfrage beim Erleben, und Bewertung sowie Analyse behandeln den Verlauf und seine Gründe. Die Schlussfolgerung formuliert eine mögliche andere Handlung; der Plan richtet sich auf die nächste vergleichbare Situation. So sind alle sechs Stufen im Text sichtbar. Die Fragen der University of Cumbria sind eine Zusammenstellung für den dortigen Leitfaden. Wenn ein Fachbereich eigene Fragen vorgibt, sollten diese Vorgaben geprüft werden. Unklare Anforderungen lassen sich mit der betreuenden Person besprechen. Der Leitfaden ordnet die Fragen den sechs Stufen des Gibbs-Modells zu.
Anwendungsbeispiel im Lehramtspraktikum
Lehramt kann in einem fiktiven Beispiel mit einer ersten selbst gehaltenen Unterrichtsstunde im Praktikum beginnen. In der Beschreibung steht, dass eine Lehramtspraktikantin eine Stunde vorbereitet und durchgeführt hat. Bei den Gefühlen nennt sie Nervosität vor Beginn und Erleichterung nach dem Unterricht. In der Bewertung hält sie fest, dass die Erklärung verständlich war, während die Gruppenarbeit unklar blieb. Die Analyse verbindet dies mit fehlenden Absprachen für die Gruppenarbeit. Als Schlussfolgerung formuliert sie, dass sie die Zusammenarbeit vor der nächsten Stunde genauer ansprechen würde. Ihr Handlungsplan lautet: Vor der nächsten Stunde bespricht sie die Arbeitsregeln, holt Rückmeldung von der betreuenden Lehrkraft ein und beendet den Plan mit dem Aufbau besserer Beziehungen zu Kolleginnen und Kollegen.
Das Beispiel ist selbst formuliert: Es ordnet die Unterrichtserfahrung zunächst mit Beschreibung, Gefühlen und Bewertung. Analyse, Schlussfolgerung und Handlungsplan führen den Rückblick weiter. Die University of Cumbria führt ebenfalls ein Beispiel zu einer ersten eigenen Unterrichtsstunde im Praktikum durch diese Stufen. Für die Pflegeausbildung beschreibt das DAFZ-Material das ALACT-Modell von Korthagen als Grundlage für Reflexionsgespräche in der praktischen Anleitung. Dort gehören Handeln, Rückblick, das Bewusstwerden wesentlicher Aspekte, das Entwickeln von Handlungsalternativen und ein erneutes Ausprobieren zum Ansatz. Das Material empfiehlt für Anleitungssituationen eine strukturierte Führung durch die Phasen, damit Erfahrungen für spätere Pflegesituationen aufgearbeitet werden. Für einen konkreten Praktikumsbericht bleibt entscheidend, welche Gliederung verlangt wird. Bei unklaren Anforderungen sollten Sie den Leitfaden prüfen und die betreuende Person fragen.
Kurzes Beispiel aus der Pflegeausbildung
Reflexionsbericht Pflege kann eine selbst formulierte Anleitungssituation in sechs Schritten darstellen. Eine Auszubildende begleitet einen Bewohner beim Anziehen. In der Beschreibung hält sie fest, dass der Bewohner bei einem Ärmel Unterstützung brauchte und dass sie die Handlung übernahm. Bei den Gefühlen benennt sie ihre Unsicherheit über den passenden Umfang der Hilfe. In der Bewertung notiert sie, dass die Unterstützung den Vorgang fortsetzte, sie jedoch erst nach Beginn der Handlung nach den Wünschen des Bewohners fragte.
In der Analyse betrachtet sie, warum diese Situation so verlief. Sie verbindet ihre Unsicherheit damit, dass sie ihre Unterstützung vorher nicht angekündigt und nicht zuerst nach dem gewünschten Umfang gefragt hatte. Als Schlussfolgerung formuliert sie, dass sie vor einer Unterstützung nachfragen kann, welche Hilfe gewünscht ist. Der Handlungsplan lautet: Bei der nächsten ähnlichen Pflegesituation stellt sie diese Frage zuerst und hält danach fest, wie die Situation verlief.
Das Beispiel führt eine einzelne Erfahrung zunächst durch Beschreibung, Gefühle und Bewertung. Danach folgen Analyse, Schlussfolgerung und Handlungsplan. Es behauptet keinen bestimmten Erfolg. Es zeigt vielmehr eine für die nächste ähnliche Situation vorgesehene Handlung. Das DAFZ-Material beschreibt für Anleitungssituationen in der Pflegeausbildung eine strukturierte Führung durch Phasen, damit Erfahrungen zu Handlungswissen für spätere Pflegesituationen werden können. Auch der Gibbs-Zyklus setzt nach dem Handlungsplan bei einer nächsten ähnlichen Erfahrung wieder mit der Beschreibung an. Dadurch kann die Auszubildende die geplante Frage in einer späteren Situation erneut aufgreifen und ihre Beobachtung wieder durch die sechs Stufen ordnen.

Zusammenfassung des gesamten Prozesses
Der Ablauf lässt sich in drei Schritte gliedern. Erst wird die Situation sachlich beschrieben und werden die eigenen Gefühle notiert. Danach folgen Bewertung und Analyse: Was lief gut, was lief schlecht und warum? Zum Schluss werden eine Schlussfolgerung und ein konkreter Handlungsplan für die nächste ähnliche Situation formuliert. Damit bleiben die sechs Gibbs-Stufen im Bericht erkennbar, obwohl sie für die Anwendung in drei Arbeitsabschnitte gebündelt sind.
- Situation und Gefühle festhalten: Beschreiben Sie den Anlass mit den beteiligten Personen und dem Zeitpunkt. Notieren Sie anschließend, wie Sie sich während und nach der Situation gefühlt haben. Die Beschreibung und die Gefühle sind zwei unterschiedliche Stufen, können beim Schreiben aber direkt aufeinander folgen.
- Verlauf bewerten und analysieren: Halten Sie fest, was gut und was schlecht lief. Fragen Sie dann nach den Gründen für diese Einschätzung. So werden Bewertung und Analyse getrennt sichtbar, ohne dass aus einer Vermutung eine allgemeine Aussage über den gesamten Beruf wird.
- Schlussfolgerung und Plan bilden: Benennen Sie, was Sie anders hätten machen können. Formulieren Sie danach eine Handlung, die bei einer nächsten ähnlichen Erfahrung ausprobiert werden soll. Der Plan schließt den Kreislauf und bietet einen Ausgangspunkt für eine spätere neue Beschreibung.
Selbstreflexion kann sich an diesen drei Arbeitsabschnitten orientieren, wenn die sechs Stufen im Ergebnis vollständig bleiben. Eine knappe Formulierung für den letzten Schritt wäre: „Beim nächsten vergleichbaren Anlass frage ich vorab nach den Erwartungen und halte die Rückmeldung anschließend fest.“ Diese Aussage beschreibt einen Plan, nicht dessen Erfolg. Nach dem Handlungsplan kann der Kreislauf bei einer ähnlichen neuen Erfahrung wieder mit der Beschreibung beginnen. Für die Abgrenzung zu anderen Modellen ist wichtig, dass Kolb und Fry im Vergleichsbeitrag vier Phasen haben und Korthagens ALACT-Modell fünf. Die Begriffe und die Zahl der Schritte sollten daher nicht mit Gibbs vermischt werden. Wenn eine Aufgabenstellung ein anderes Modell nennt, prüfen Sie den zugehörigen Leitfaden und klären Sie offene Vorgaben mit der betreuenden Person.
Quellen und Stand
- Quelle: University of Edinburgh, Reflectors Toolkit, Gibbs Reflective Cycle: reflection.ed.ac.uk (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: peDOCS, Äppli und Lötscher, Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung 34(1), 2016: www.pedocs.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: University of Cumbria, Reflective Cycle (Gibbs): my.cumbria.ac.uk (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: DAFZ Hofgeismar (Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen), Anleitungsmethoden und Reflexionsansätze: dafz.gesundbrunnen.org (geprüft am 2026-09-16)
Der Überblick „Das Sechs-Stufen-Modell der Reflexion Schritt für Schritt erklärt“ ordnet das Thema vollständig ein.