Wann der Mindestlohn im Praktikum fällig wird
Mindestlohn im Praktikum: wann er gilt, wann nicht
Wer vor dem Start in eine Praxisphase steht, fragt sich oft zum Thema Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich? Das Mindestlohngesetz stellt Praktikantinnen und Praktikanten im Sinne von Paragraf 26 BBiG im Ausgangspunkt regulären Arbeitnehmern gleich, sodass grundsätzlich ein gesetzlicher Vergütungsanspruch besteht. Wann der Mindestlohn im Praktikum fällig wird und wann der Betrieb nicht zahlen muss, hängt jedoch von der konkreten Vertragsgestaltung ab: Vier klar abgegrenzte gesetzliche Ausnahmegruppen schließen den Mindestlohnanspruch aus. Dieser Ratgeber erklärt alle Voraussetzungen, Fristen und Prüfschritte für deine rechtssichere Einordnung.
Gesetzlicher Grundsatz: Gleichstellung im Mindestlohngesetz
Gemäß § 22 Mindestlohngesetz werden Praktikantinnen und Praktikanten, die unter § 26 Berufsbildungsgesetz fallen, arbeitsrechtlich grundsätzlich wie Arbeitnehmer eingestuft. Aus dieser Gleichstellung leitet sich im Regelfall der unmittelbare Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn ab. Allerdings definiert der Gesetzgeber genau vier Fallgruppen, in denen diese Vergütungspflicht entfällt. Maßgeblich für die rechtliche Bewertung ist dabei stets, wie das Vertragsverhältnis in der betrieblichen Praxis tatsächlich gelebt wird, während die bloße Überschrift auf dem Dokument keine Bindungswirkung entfaltet.
Von der Zahlungspflicht befreit ist erstens jedes Praktikum, das verbindlich durch eine Bestimmung im Schul-, Ausbildungs- oder Hochschulrecht vorgeschrieben ist, und zwar unabhängig von seiner Gesamtdauer ohne zeitliche Grenze. Zweitens greift die Befreiung für ein freiwilliges Orientierungspraktikum zur Berufswahl vor einer Ausbildung oder einem Studium mit einer Dauer von bis zu drei Monaten. Drittens entfällt der Anspruch für ein ausbildungs- oder studienbegleitendes Praktikum von bis zu drei Monaten, sofern mit demselben Ausbildenden zuvor noch kein gleichartiges Praktikumsverhältnis geschlossen wurde. Viertens klammert das Gesetz die geförderte Einstiegsqualifizierung nach § 54a SGB III sowie Maßnahmen zur Berufsausbildungsvorbereitung nach §§ 68 bis 70 BBiG vom Mindestlohnanspruch aus.
Wer vor Vertragsbeginn Vergütung und Abgaben prüfen möchte, sollte die im Vertrag festgehaltene Aufgabenbeschreibung sorgfältig mit dem geplanten Einsatz im Betrieb abgleichen. Notiere dir für diese systematische Einordnung vorab, ob deine Studien- oder Ausbildungsordnung den Praxiseinsatz zwingend vorschreibt, welches Lernziel im Vordergrund steht, welcher Zeitraum vertraglich angesetzt wurde und ob du früher schon ein vergleichbares Praktikumsverhältnis beim selben Ausbildenden absolviert hast.
Auch wenn Studierende zwischen Pflichtpraktikum oder Werkstudentenjob wählen, gibt nicht das Etikett im Stellenangebot den Ausschlag, sondern der reale Tätigkeitsinhalt. Kläre für eine belastbare Einschätzung deshalb im ersten Schritt, ob deine Stelle überhaupt die gesetzlichen Kriterien für ein Praktikum erfüllt, bevor du im nächsten Schritt die vier Ausnahmen des Mindestlohngesetzes durchgehst.

Die vier Ausnahmebereiche beim Mindestlohn im Überblick
In seinen Fachinformationen unterscheidet der Zoll vier klar umrissene Personengruppen, für die im Praktikum kein gesetzlicher Mindestlohnanspruch entsteht. Sobald jedoch keine dieser gesetzlichen Ausnahmen zutrifft, steht Praktikantinnen und Praktikanten im Sinne von § 26 BBiG das reguläre Mindestentgelt ausdrücklich zu. Die folgende Gegenüberstellung fasst die entscheidenden Abgrenzungsmerkmale und zeitlichen Obergrenzen auf einen Blick zusammen.
| Praktikumsart | Mindestlohnanspruch | Dauergrenze |
|---|---|---|
| Vorgeschriebenes Praktikum | Kein Anspruch | Keine Zeitgrenze |
| Orientierungspraktikum vor Ausbildung oder Studium | Kein Anspruch | Bis zu drei Monate |
| Ausbildungs- oder studienbegleitendes Praktikum | Kein Anspruch, wenn kein vorheriges gleichartiges Verhältnis beim selben Ausbildenden bestand | Bis zu drei Monate |
Ergänzend zur Tabelle bildet die Teilnahme an einer Einstiegsqualifizierung nach SGB III oder an einer Berufsausbildungsvorbereitung nach BBiG die vierte gesetzliche Ausnahmegruppe. Um deine eigene Stelle in die ersten drei Tabellenzeilen einzuordnen, solltest du jede genannte Voraussetzung Punkt für Punkt mit deinem Vertragstext sowie der geltenden Studien- oder Ausbildungsordnung abgleichen. Falls du bereits zuvor im selben Unternehmen tätig warst, halte den genauen Namen des Ausbildenden und die damalige Vertragsart schriftlich fest.
Willst du Ein Vorpraktikum fürs Studium rechtlich richtig einstufen, kommt es darauf an, ob es einer Studienordnung folgt oder lediglich als freiwillige Orientierung vor Studienbeginn die Dreimonatsgrenze einhält. Deuten deine Bewerbungs- und Vertragsunterlagen auf einen anderen Zweck oder eine längere Beschäftigungsdauer hin, musst du den Anspruch anhand der gesetzlichen Tatbestandsmerkmale gesondert bestimmen.
Gesetzlicher Stundensatz und Anpassung des Mindestlohns
Welcher konkrete Betrag dir pro Stunde zusteht, richtet sich nach dem jeweiligen Beschäftigungszeitraum sowie deiner Einstufung unter § 22 MiLoG. Da der aktuelle Eurobetrag im Mindestlohngesetz nicht statisch festgeschrieben ist, wird die Lohnhöhe regelmäßig fortentwickelt: Auf Vorschlag der ständigen Mindestlohnkommission setzt die Bundesregierung die angepassten Sätze verbindlich per Rechtsverordnung fest.
- Für den Zeitraum vom 1. Januar 2025 bis zum 31. Dezember 2025 lag der gesetzliche Mindestlohn laut den amtlichen Veröffentlichungen des Zolls bei 12,82 Euro brutto je geleisteter Zeitstunde.
- Seit dem 1. Januar 2026 beläuft sich die gesetzliche Lohnuntergrenze nach den offiziellen Angaben des Zolls auf 13,90 Euro brutto je Zeitstunde.
- Jede Erhöhung des Stundensatzes wird durch eine Rechtsverordnung der Bundesregierung in Kraft gesetzt, die sich dabei auf den vorangegangenen Beschluss und Vorschlag der Mindestlohnkommission stützt.
- Praktikantinnen und Praktikanten, die gemäß § 22 MiLoG als Arbeitnehmer einzustufen sind, haben Anspruch auf exakt denselben gesetzlichen Mindestlohnsatz wie regulär Beschäftigte.
In der Praxis solltest du deshalb zunächst ausschließen, dass dein Einsatz unter eine der Befreiungsregeln des § 22 MiLoG fällt. Besteht die Vergütungspflicht, teilst du dein vertraglich zugesagtes Monatsentgelt durch die vereinbarten Arbeitsstunden und stellst das Ergebnis dem im jeweiligen Zeitraum gültigen Mindestlohnsatz gegenüber. Beachte zudem, dass spezielle Branchenmindestlöhne nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz oder dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz vorrangig gelten, solange sie nicht niedriger ausfallen als die allgemeine gesetzliche Untergrenze.
Abzüge und Steuern für den Studenten-Minijob musst du übrigens strikt von der arbeitsrechtlichen Frage trennen, ob dir überhaupt der gesetzliche Stundenlohn zusteht. Für den Mindestlohnanspruch im Praktikum zählt ausschließlich, ob du nach den Kriterien des § 22 MiLoG den Arbeitnehmerstatus erfüllst oder unter einen der gesetzlichen Ausnahmetatbestände fällst.
Was nach dem Berufsbildungsgesetz als Praktikum gilt
Die rechtliche Grundlage für den Praktikumsbegriff liefert § 26 BBiG, der sogenannte andere Vertragsverhältnisse außerhalb einer regulären dualen Berufsausbildung regelt. Darunter fallen Personen, die in einem Betrieb tätig werden, um sich praktische berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen anzueignen. Rechtliche Voraussetzung für diese Einstufung ist stets, dass weder eine klassische Berufsausbildung im Sinne des Gesetzes absolviert noch ein reguläres Arbeitsverhältnis geschlossen wird.
Auf solche Lernverhältnisse finden zahlreiche Schutzvorschriften des BBiG sinngemäß Anwendung, allerdings mit wichtigen gesetzlichen Anpassungen: So fällt die zulässige Probezeit kürzer aus, eine zwingende schriftliche Vertragsabfassung ist gesetzlich verzichtbar, und nach dem Ende der Probezeit ist bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung die Forderung von Schadensersatz gemäß § 23 Absatz 1 Satz 1 ausgeschlossen. Über genau diese Definition in § 26 BBiG bestimmt auch das Mindestlohngesetz, wer rechtlich als Praktikantin oder Praktikant gilt.
Hinterfrage bei der Durchsicht deiner Unterlagen deshalb vor allem den prägenden Vertragszweck: Steht tatsächlich der systematische Erwerb beruflicher Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder praktischer Erfahrungen im Mittelpunkt? Kontrolliere darüber hinaus, ob nicht in Wahrheit ein formelles Ausbildungsverhältnis oder ein vollwertiges Arbeitsverhältnis vorliegt, denn diese Abgrenzung entscheidet unmittelbar über die Anwendung von § 22 MiLoG.
Auch Themen wie Die Steuererklärung für Studierende betreffen erst die spätere steuerliche Abrechnung und ändern nichts an deinem arbeitsrechtlichen Vergütungsanspruch. Um deine Mindestlohnberechtigung zu klären, musst du vielmehr zuerst die Merkmale von § 26 BBiG und im Anschluss die Ausnahmeregelungen in § 22 MiLoG an deinen Vertrag anlegen.
Vertragstitel oder Praxisalltag: Warum die gelebte Tätigkeit zählt
Im Arbeitsrecht gilt der klare Grundsatz, dass sich der Status eines Beschäftigungsverhältnisses nach seiner tatsächlichen Ausgestaltung im betrieblichen Alltag richtet und nicht nach der gewählten Bezeichnung auf dem Deckblatt. Du solltest den schriftlichen Vertragstext daher immer gemeinsam mit den konkret zugewiesenen Arbeitsaufgaben betrachten. Eine bloße Überschrift wie „Praktikumsvereinbarung“ ersetzt diese inhaltliche Prüfung niemals.
Sobald eine beschäftigte Person rechtlich als Arbeitnehmer unter das Mindestlohngesetz fällt, begründet § 1 MiLoG einen zwingenden Anspruch auf eine Vergütung mindestens in Höhe des gesetzlichen Mindestlohns. Existieren im jeweiligen Wirtschaftszweig spezielle Tarifuntergrenzen nach dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz oder dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, gehen diese Regelungen vor, sofern ihr Stundensatz den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn nicht unterschreitet.
Nimm Den Praktikumsvertrag für Studierende daher stets anhand der realen Arbeitsbedingungen unter die Lupe, statt dich allein auf die Vertragsüberschrift zu verlassen. Beantworte anhand der Vereinbarungen systematisch die zentralen Rechtsfragen: Handelt es sich um ein Lernverhältnis gemäß § 26 BBiG, greift einer der Ausnahmetatbestände aus § 22 MiLoG und welcher gesetzliche Mindestlohnsatz gilt im betreffenden Zeitraum?
Weichen die Überschrift des Vertrags und dein tatsächlicher Einsatz im Unternehmen voneinander ab, darf deine Einschätzung keinesfalls beim Wortlaut des Titels stehen bleiben. Bewerte in einem solchen Fall jedes einzelne Tätigkeitsmerkmal anhand der einschlägigen gesetzlichen Vorgaben, um festzustellen, ob der Ausbildungszweck oder die reguläre Arbeitsleistung überwiegt.

In drei Schritten deinen Mindestlohnanspruch prüfen
Kontrolliere im ersten Schritt, ob deine Stelle unter eine der vier gesetzlichen Ausnahmen fällt. Gleiche deine Rahmenbedingungen dazu genau mit den vier Kategorien ab: Liegt ein nach Studien- oder Ausbildungsrecht vorgeschriebenes Praktikum vor, handelt es sich um ein Orientierungspraktikum vor Beginn von Ausbildung oder Studium von bis zu drei Monaten, absolvierst du ein ausbildungs- oder studienbegleitendes Praktikum von bis zu drei Monaten ohne vorheriges gleichartiges Verhältnis beim selben Ausbildenden oder nimmst du an einer Einstiegsqualifizierung beziehungsweise Berufsausbildungsvorbereitung teil?
Stelle im zweiten Schritt die schriftlichen Vertragsinhalte deiner tatsächlichen Tätigkeit im Betrieb gegenüber. Weil rechtlich immer die gelebte Ausgestaltung des Vertragsverhältnisses und nicht dessen formale Bezeichnung den Ausschlag gibt, solltest du genau prüfen, ob der Lernzweck nach § 26 BBiG erfüllt wird oder ob faktisch ein reguläres Arbeitsverhältnis vorliegt.
Rechne im dritten Schritt deinen effektiven Stundenlohn aus und gleiche ihn mit den Vorgaben im Betrieb sowie den amtlichen Werten ab, die der Zoll veröffentlicht: Für das Jahr 2026 weist der Zoll einen Mindestlohn von 13,90 Euro brutto je Zeitstunde aus. Bleiben bei der rechtlichen Einordnung oder beim zustehenden Betrag Fragen offen, kannst du dich mit deinem Vertrag und einer Dokumentation deiner tatsächlichen Tätigkeit an die zuständigen Beratungs- und Prüfstellen wenden.
Für weiterführende Details zu Abzügen und Vertragsalternativen bieten dir unsere ergänzenden Ratgeber zur Vergütung im Pflichtpraktikum sowie zur Abwägung zwischen Pflichtpraktikum und Werkstudentenjob konkrete Orientierung. Ziehe diese vertiefenden Leitfäden am besten heran, sobald du deine Stelle anhand der gesetzlichen Grundmerkmale sauber eingeordnet hast.
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Stand: 16. September 2026korrektur.de. (2026, 16. September). Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich? korrektur.de. https://korrektur.de/mindestlohn-im-praktikum
„Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich?“ korrektur.de, 16. Sept. 2026, korrektur.de/mindestlohn-im-praktikum. Zugriff 28. Okt. 2026.
korrektur.de (2026) Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich? Verfügbar unter: https://korrektur.de/mindestlohn-im-praktikum (Zugriff: 28. Oktober 2026).
korrektur.de. „Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich?“ Zuletzt geändert 16. September 2026. https://korrektur.de/mindestlohn-im-praktikum.
korrektur.de. Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich? [online]. 2026 [Zugriff am 28.10.2026]. Verfügbar unter: https://korrektur.de/mindestlohn-im-praktikum
Quellen und Stand
- Quelle: Mindestlohngesetz (MiLoG), Paragraf 22, gesetze-im-internet.de: www.gesetze-im-internet.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Mindestlohngesetz (MiLoG), Paragraf 1, gesetze-im-internet.de: www.gesetze-im-internet.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Zoll, Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes: www.zoll.de (geprüft am 2026-09-16)
- Quelle: Berufsbildungsgesetz (BBiG), Paragraf 26, gesetze-im-internet.de: www.gesetze-im-internet.de (geprüft am 2026-09-16)
Damit beantwortet dieser Leitfaden die Frage „Mindestlohn im Praktikum: Gilt er grundsätzlich?“ ebenso praxisnah wie die Einordnung, wann der Mindestlohn im Praktikum fällig wird: Wann der Mindestlohn im Praktikum fällig wird, entscheidet sich stets anhand der vier Ausnahmen im Mindestlohngesetz und der tatsächlichen Vertragsgestaltung.