Empfindsamkeit in der Literatur

Merkmale, Vertreter und Werke im Überblick

Lesezeit ca. 6 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Die Empfindsamkeit ist eine literarische Strömung zwischen etwa 1740 und 1790, die parallel zur Aufklärung entsteht und dieser in wichtigen Punkten widerspricht. Statt auf Vernunft setzt sie auf Gefühl, Innerlichkeit und Empfindung als Grundlage menschlichen Handelns. Autoren wie Friedrich Gottlieb Klopstock und Christian Fürchtegott Gellert prägen die Epoche mit empfindsamer Lyrik und moralischen Erzählungen, während Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers den Übergang zum Sturm und Drang markiert. Wer sich in Schule oder Studium mit dieser Epoche beschäftigt, sollte Merkmale, Vertreter und Werke sicher unterscheiden können.

Was ist die Empfindsamkeit? Überblick und Zeitraum

Die Empfindsamkeit ist eine Epoche der deutschen Literatur, die sich etwa von 1740 bis 1790 innerhalb der Aufklärung entwickelt und zugleich eine Gegenbewegung zu deren rationalem Denken bildet. Während die Aufklärung Vernunft und Verstand in den Mittelpunkt stellt, rückt die Empfindsamkeit das Gefühl, die Innerlichkeit und die Empfindung als eigenständige Erkenntnisquelle in den Vordergrund. Diese Strömung entsteht vor allem im bürgerlichen Milieu und spiegelt ein neues Selbstverständnis wider, in dem Mitgefühl, Freundschaft und Tugend als moralische Werte gelten. Einen guten Überblick über die Einordnung dieser Zeit liefert die Seite Alle Literaturepochen im Überblick, auf der sich die Empfindsamkeit im Verhältnis zu Aufklärung, Sturm und Drang sowie Klassik einordnen lässt.

Empfindsamkeit
Empfindsamkeit im Überblick.

Merkmale und Motive der Empfindsamkeit

Zu den zentralen Merkmalen der Empfindsamkeit zählt die Betonung von Gefühl, Mitleid und Tugend gegenüber kühler Vernunft. Typische Motive sind Freundschaft, Naturerleben, Tränen als Ausdruck echter Rührung sowie die Idealisierung einfacher, bürgerlicher Lebensformen. Die Literatur dieser Zeit zeigt Figuren, die ihre Empfindungen offen zeigen und sich intensiv mit ihrem Innenleben auseinandersetzen, oft in Briefen oder Tagebüchern, die private Gedanken unmittelbar sichtbar machen. Auch Mitleid mit Notleidenden und eine gesteigerte Sensibilität für moralische Fragen prägen die Texte. Anders als die Aufklärung, die auf allgemeingültige Vernunftregeln setzt, sucht die Empfindsamkeit nach individuellem, emotionalem Erleben als Maßstab für richtiges Handeln. Diese Verschiebung von Kopf zu Herz bereitet inhaltlich und stilistisch den Boden für die freiere, leidenschaftlichere Ausdrucksweise des folgenden Sturm und Drang.

Wichtige Vertreter und Werke

Als wichtigste Vertreter der Empfindsamkeit gelten Friedrich Gottlieb Klopstock und Christian Fürchtegott Gellert. Klopstock erneuert mit seinen Oden und dem Epos Der Messias die deutsche Lyrik und macht Gefühl und religiöse Innerlichkeit zum zentralen Thema seiner Dichtung. Gellert wird vor allem durch seine Fabeln und Erzählungen sowie moralisierende Lehrgedichte bekannt, in denen Tugend, Mitgefühl und bürgerliche Werte im Mittelpunkt stehen. Einen wichtigen Übergang markiert Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers aus dem Jahr 1774. Der Roman übernimmt zentrale Merkmale der Empfindsamkeit wie das intensive Gefühlsleben und die Briefform, treibt die Emotionalität jedoch so weit, dass er zugleich den Wendepunkt zum Sturm und Drang markiert. Wer diese Werke kennt, kann typische Textmerkmale der Empfindsamkeit sicher erkennen und historisch einordnen.

Typische Formen und Gattungen

Die Empfindsamkeit äußert sich vor allem in wenigen, aber prägenden literarischen Formen. Besonders wichtig ist der empfindsame Brief beziehungsweise Briefroman, der es erlaubt, Gedanken und Gefühle einer Figur unmittelbar und subjektiv darzustellen, wie es Goethe in seinem Roman vorführt. Auch das Tagebuch als literarische Form gewinnt an Bedeutung, da es innere Vorgänge scheinbar ungefiltert festhält. In der Lyrik dominieren Ode und empfindsames Lied, häufig mit religiösen oder freundschaftlichen Themen, wie sie bei Klopstock zu finden sind. Daneben entstehen bürgerliche Trauerspiele und moralische Erzählungen sowie Fabeln, in denen Tugend und Mitgefühl vorbildhaft vorgeführt werden. Gemeinsam ist diesen Formen eine unmittelbare, oft ich-bezogene Erzählweise, mit der die Autoren das Innenleben ihrer Figuren und damit zugleich zentrale Anliegen der Empfindsamkeit sichtbar machen.

Empfindsamkeit

In der Analyse anwenden

Im Deutschunterricht und in Klausuren zur Oberstufe lohnt es sich, die Empfindsamkeit klar von Aufklärung, Sturm und Drang sowie Klassik abzugrenzen, da Prüfungen häufig genau diese Einordnung verlangen. Wichtig ist, typische Merkmale wie Gefühlsbetonung, Innerlichkeit, Freundschaftskult und die bevorzugten Formen Brief, Tagebuch und Ode an konkreten Textbeispielen zu belegen, etwa an Ausschnitten aus Klopstocks Oden oder Gellerts Fabeln. Bei der Analyse eines Gedichts oder Briefromans aus dieser Zeit sollten Schülerinnen und Schüler auf Wortwahl, Satzbau und Bildsprache achten, die Emotionen unmittelbar erfahrbar machen, sowie auf die Erzählperspektive, die häufig subjektiv und ich-nah gestaltet ist. Hilfreiche Grundlagen zum methodischen Vorgehen liefert die Seite Gedichtanalyse, deren Schritte sich problemlos auf empfindsame Texte übertragen lassen. So lässt sich die Epoche fundiert erklären und im Vergleich zu anderen Strömungen sicher einordnen.

Fazit

Zusammengefasst ist die Empfindsamkeit gut erklärt, wenn Zeitraum, Merkmale, Vertreter und Werke im Zusammenhang genannt werden: Sie dauert etwa von 1740 bis 1790, stellt Gefühl, Innerlichkeit und Empfindung in den Mittelpunkt und wird maßgeblich von Klopstock und Gellert geprägt, während Goethes Die Leiden des jungen Werthers den Übergang zur nächsten Epoche markiert. Wer diese Punkte kennt, kann Texte im Unterricht oder in einer wissenschaftlichen Arbeit sicher der richtigen Epoche zuordnen und sie begründet von benachbarten Strömungen abgrenzen. Für die weiterführende Einordnung in die gesamte Literaturgeschichte lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die vorangehenden und folgenden Epochen sowie auf die jeweils charakteristischen Formen und Gattungen.

Weitere Literaturepochen im Überblick: Sturm und Drang, Weimarer Klassik und Alle Literaturepochen im Überblick.

Wer eine Hausarbeit oder Abiturvorbereitung zur Empfindsamkeit schreibt, sollte den Text vor der Abgabe professionell prüfen lassen, zum Beispiel mit einem Lektorat.

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Häufige Fragen zur Empfindsamkeit

Was versteht man unter Empfindsamkeit in der Literatur?

Die Empfindsamkeit ist eine literarische Strömung zwischen etwa 1740 und 1790, die parallel zur Aufklärung entsteht. Im Mittelpunkt stehen Gefühl, Innerlichkeit und Empfindung statt reiner Vernunft. Typische Themen sind Freundschaft, Mitleid und Tugend, oft dargestellt in Briefen oder Tagebüchern, die das Innenleben der Figuren unmittelbar sichtbar machen und den Leser emotional einbeziehen sollen.

In welchem Zeitraum ist die Empfindsamkeit einzuordnen?

Die Empfindsamkeit wird zeitlich meist zwischen 1740 und 1790 angesetzt und verläuft damit parallel zur Aufklärung, mit der sie sich zeitlich überschneidet. Gegen Ende dieser Phase entsteht mit Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers aus dem Jahr 1774 ein Werk, das den Übergang zum folgenden Sturm und Drang markiert und zentrale Merkmale beider Epochen verbindet.

Wer sind die wichtigsten Vertreter der Empfindsamkeit?

Als wichtigste Vertreter gelten Friedrich Gottlieb Klopstock, der mit Oden und dem Epos Der Messias die deutsche Lyrik erneuert, sowie Christian Fürchtegott Gellert, bekannt für Fabeln und moralische Erzählungen. Auch Johann Wolfgang von Goethe zählt mit seinem frühen Briefroman Die Leiden des jungen Werthers dazu, auch wenn dieses Werk bereits den Übergang zum Sturm und Drang einleitet.

Was unterscheidet die Empfindsamkeit von der Aufklärung?

Beide Strömungen verlaufen zeitlich parallel, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Aufklärung stellt Vernunft, Verstand und kritisches Denken in den Mittelpunkt, während die Empfindsamkeit Gefühl, Innerlichkeit und Empfindung als eigenständige Erkenntnisquelle betont. In Texten der Empfindsamkeit zeigen Figuren offen ihre Emotionen, statt Probleme rein rational zu lösen, wodurch Mitgefühl und Tugend an Bedeutung gewinnen.

Welche literarischen Formen sind typisch für die Empfindsamkeit?

Typisch sind Formen, die unmittelbaren Einblick in das Innenleben der Figuren geben. Dazu zählen der empfindsame Brief und Briefroman, das Tagebuch sowie die Ode und das empfindsame Lied. Auch bürgerliche Trauerspiele, Fabeln und moralische Erzählungen sind verbreitet, weil sie Gefühl, Mitleid und Tugend anschaulich vor Augen führen und den Leser emotional ansprechen.

Wie erkennt man die Empfindsamkeit in einer Textanalyse?

Hinweise liefern eine stark subjektive Erzählperspektive, häufige Gefühlsschilderungen, Tränen als Ausdruck von Rührung sowie Motive wie Freundschaft, Mitleid und Tugend. Auch die gewählte Form spielt eine Rolle, etwa Brief, Tagebuch oder Ode. Wer solche Merkmale in einem Text findet und mit dem Zeitraum um 1740 bis 1790 abgleicht, kann ihn sicher der Empfindsamkeit zuordnen.

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