Komma beim Infinitiv mit zu sicher prüfen
Komma beim Infinitiv mit zu: Regel, Pflichtfälle und Ausnahmen
Satzwertige Infinitivgruppen werden durch ein Komma vom übergeordneten Satz getrennt. „Es macht Spaß, im Herbst mit Kastanien zu basteln.“ Bei einem bloßen Infinitiv samt zu ohne Erweiterung entfällt das Komma.
Grundlagen verstehen
Eine satzwertige Infinitivgruppe wird vom übergeordneten Satz durch ein Komma getrennt. Nach um, ohne, anstatt oder statt ist das Komma vor der Infinitivgruppe Pflicht. Eine Infinitivgruppe besteht aus einem Infinitiv mit zu und mindestens einem weiteren Wort.
Ein belegtes Beispiel lautet: Es macht Spaß, im Herbst mit Kastanien zu basteln. Die Wortgruppe im Herbst mit Kastanien zu basteln enthält den Infinitiv mit zu sowie weitere Wörter. Der Duden behandelt eine solche satzwertige Gruppe als vom übergeordneten Satz durch Komma getrennt.
Die Stellung der Gruppe kann vor oder nach dem Hauptsatz liegen. Grammis ordnet die mit um, ohne, anstatt oder statt eingeleiteten Gruppen als infinite Nebensätze ein. Sie werden wie finite Nebensätze durch Komma vom übergeordneten Satz abgetrennt. Für Gruppen ohne diese Einleitungen gelten zusätzlich die im folgenden Abschnitt behandelten Ausnahmen.
Beim Thema Kommaregeln hilft daher eine genaue Prüfung der Wörter in der Gruppe. Suche zuerst nach einer Einleitung mit um, ohne, anstatt oder statt. Prüfe dann, ob neben Infinitiv und zu weitere Wörter stehen. Anschließend ist zu klären, ob der Satz zu einem der belegten Ausnahmefälle gehört. So werden Pflichtfälle und die genannten Fälle ohne Komma nicht vermischt.
Die Regel zur satzwertigen Infinitivgruppe betrifft Abhängigkeiten von einem Substantiv, Adjektiv, Verb oder Pronominaladverb. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede Konstruktion ohne Ausnahme ein Komma erhält. Die Beispiele und Ausnahmefälle auf dieser Seite geben die konkrete Orientierung für die behandelten Formen.

Pflichtfälle erkennen
Bei einer Infinitivgruppe mit um, ohne, anstatt oder statt steht vor der Gruppe ein Komma. Diese Gruppen werden als infinite Nebensätze vom übergeordneten Satz getrennt. Das Komma ist Pflicht, unabhängig davon, ob die Gruppe vor oder nach dem übergeordneten Satz steht.
um ihre Freundin zu besuchen wird als mit um eingeleitete Infinitivgruppe durch ein Komma abgetrennt.
Ohne auf den Verkehr zu achten ist eine mit ohne eingeleitete Gruppe; das Komma ist Pflicht.
Anstatt zu arbeiten ist mit anstatt eingeleitet und erhält ebenfalls ein Komma.
Daneben beschreibt der Duden die Regel für satzwertige Infinitivgruppen: Sie werden mit Komma vom übergeordneten Satz getrennt. Das gilt nach dem Duden auch dann, wenn die Infinitivgruppe von einem Substantiv, Adjektiv, Verb oder Pronominaladverb abhängt.
Das Eichhörnchen wird nicht müde, Haselnüsse zu sammeln. Dieser Satz ist ein vom Duden genanntes Beispiel für eine satzwertige Infinitivgruppe.
Ich erfreue mich daran, den kleinen Kerl zu beobachten. Auch dieses Beispiel nennt der Duden für die Trennung durch Komma.
Aus diesen Pflichtfällen folgt keine einheitliche Regel für jede Infinitivgruppe. Beim bloßen Infinitiv samt zu ohne Erweiterung entfällt das Komma. Ebenso nennt der Duden mehrteilige Prädikate und Fälle, in denen Infinitivgruppe und Satz nicht klar zu trennen sind. Bei erlauben, beabsichtigen, versprechen, versuchen, gestatten, wagen oder probieren kann das Komma stehen oder entfallen.
Wenn ein Satz keinem der genannten Fälle eindeutig entspricht, prüfe das Regelwerk oder frage die Lehrkraft oder betreuende Person. Du kannst anschließend die Kommasetzung prüfen.
Ausnahmen beachten
Der Duden nennt mehrere Fälle, in denen kein Komma steht oder in denen eine Wahl besteht. Prüfe jeden Fall getrennt von den Pflichtfällen mit einleitenden Wörtern.
- Nur Infinitiv mit zu: Wenn nur der Infinitiv samt zu ohne Erweiterung steht, entfällt das Komma. Beispiel: Er bat sie mitzukommen.
- Mehrteiliges Prädikat: Mit sein, haben, brauchen, pflegen, scheinen, drohen oder versprechen kann die Infinitivgruppe Teil eines mehrteiligen Prädikats sein. Dann steht kein Komma. Beispiel: Dies verspricht ein schöner Tag zu werden.
- Nicht klar trennbar: Wenn Infinitiv und Satz nicht klar zu trennen sind, nennt der Duden keinen Kommafall. Beispiel: Den Betrag bitten wir auf unser Konto zu überweisen.
- Wahlmöglichkeit: Bei erlauben, beabsichtigen, versuchen, gestatten, wagen oder probieren kann das Komma stehen oder entfallen.
Frühere Regeln verboten das Komma bei Infinitivgruppen als Satzsubjekt teilweise. Dieses Verbot gilt heute nicht mehr. Das betrifft den früheren Sonderfall des Satzsubjekts; daraus folgt keine allgemeine Wahlfreiheit für andere Infinitivgruppen.
Ordne einen Satz daher zuerst einem der genannten Fälle zu. Besteht die Gruppe nur aus Infinitiv und zu, liegt der erste Fall vor. Erkennbar mehrteilige Prädikate gehören zum zweiten Fall. Ist die Grenze zwischen Infinitiv und Satz nicht klar, zeigt das dritte Beispiel die im Duden behandelte Konstruktion. Bei Verben wie erlauben, beabsichtigen, versuchen, gestatten, wagen oder probieren beschreibt der Duden die Wahl.
Übersicht der Fälle
| Satz | Komma? | Grund |
|---|---|---|
| Es macht Spaß, im Herbst mit Kastanien zu basteln. | Ja | Satzwertige Infinitivgruppe; der Duden trennt sie durch Komma ab. |
| …, um ihre Freundin zu besuchen. | Ja | Die Gruppe ist mit um eingeleitet; dafür ist das Komma Pflicht. |
| …, ohne auf den Verkehr zu achten. | Ja | Die Gruppe ist mit ohne eingeleitet; dafür ist das Komma Pflicht. |
| …, anstatt zu arbeiten. | Ja | Die Gruppe ist mit anstatt eingeleitet; dafür ist das Komma Pflicht. |
| …, statt zu arbeiten. | Ja | Die Gruppe ist mit statt eingeleitet; dafür ist das Komma Pflicht. |
| Das Eichhörnchen wird nicht müde, Haselnüsse zu sammeln. | Ja | Beispiel des Duden für eine durch Komma getrennte Infinitivgruppe. |
| Ich erfreue mich daran, den kleinen Kerl zu beobachten. | Ja | Beispiel des Duden für eine durch Komma getrennte Infinitivgruppe. |
| Er bat sie mitzukommen. | Nein | Nur Infinitiv mit zu, ohne Erweiterung. |
| Dies verspricht ein schöner Tag zu werden. | Nein | Mehrteiliges Prädikat mit versprechen. |
| Den Betrag bitten wir auf unser Konto zu überweisen. | Nein | Infinitiv und Satz sind nicht klar zu trennen. |
Die Tabelle stellt die belegten Beispiele nebeneinander. Die ersten sieben Zeilen zeigen Kommafälle. Die letzten drei Zeilen zeigen die vom Duden hervorgehobenen Fälle ohne Komma. Bei erlauben, beabsichtigen, versuchen, gestatten, wagen oder probieren kann das Komma stehen oder entfallen; dafür enthält die Tabelle keinen zusätzlichen Beispielsatz.
Häufige Irrtümer
Das Komma fehlt oft vor um zu, ohne zu und statt zu. Richtig ist ein Komma vor einer mit um, ohne, anstatt oder statt eingeleiteten Infinitivgruppe. Als Gegenmaßnahme prüfst du zuerst, ob die Gruppe mit einem dieser einleitenden Wörter beginnt. Bei einer solchen Einleitung steht das Komma.
Ein zweiter Fehler ist ein Komma vor einem bloßen Infinitiv mit zu ohne Erweiterung. Richtig lautet das Beispiel: Er bat sie mitzukommen. Hier steht kein Komma. Prüfe als Gegenmaßnahme, ob außer zu und dem Infinitiv noch ein weiteres Wort zur Gruppe gehört. Fehlt eine Erweiterung, zeigt dieses Beispiel den Fall ohne Komma.
Ein dritter Fehler ist ein Komma in einem mehrteiligen Prädikat. Richtig lautet das Beispiel: Dies verspricht ein schöner Tag zu werden. Auch hier steht kein Komma. Prüfe dazu, ob der Infinitiv mit sein, haben, brauchen, pflegen, scheinen, drohen oder versprechen ein mehrteiliges Prädikat bildet. Trifft das zu, führt dieser Prädikatsfall zum Ergebnis ohne Komma.
Die drei Prüfungen bleiben getrennt: einleitendes Wort, Erweiterung und mehrteiliges Prädikat. Eine Erweiterung entscheidet nicht gegen den Prädikatsfall. Prüfe deshalb den Prädikatsfall, bevor du aus weiteren Wörtern in der Gruppe ein Komma ableitest. Bei Verben wie erlauben, beabsichtigen, versuchen, gestatten, wagen oder probieren kann das Komma stehen oder entfallen.

In drei Schritten prüfen
Prüfe eine Infinitivgruppe in drei Schritten. Die Schritte betreffen die hier genannten Fälle; für andere Konstruktionen hilft ein Blick in das Regelwerk oder eine Rücksprache mit der Lehrkraft oder betreuenden Person.
- Beginnt die Infinitivgruppe mit um, ohne, anstatt oder statt? Dann steht ein Komma vor der Infinitivgruppe.
- Steht außer zu und dem Infinitiv noch ein Wort in der Gruppe? Dann steht ein Komma.
- Bildet der Infinitiv mit sein, haben, scheinen, drohen oder versprechen ein mehrteiliges Prädikat? Dann steht kein Komma.
Der zweite Schritt betrifft die satzwertige Infinitivgruppe. Der Duden trennt diese Gruppe mit Komma vom übergeordneten Satz. Steht dagegen nur der Infinitiv samt zu ohne Erweiterung, entfällt das Komma. Ein Beispiel dafür ist Er bat sie mitzukommen.
Der dritte Schritt betrifft den vom Duden genannten Prädikatsfall. Dazu gehört etwa Dies verspricht ein schöner Tag zu werden. Hier steht kein Komma. Prüfe deshalb auch dann den Prädikatsfall, wenn die Gruppe mehr als den Infinitiv und zu enthält.
Bei erlauben, beabsichtigen, versuchen, wagen oder probieren kann das Komma nach dem Duden stehen oder entfallen. Die drei Schritte geben für die genannten Merkmale eine Entscheidung; bei einem nicht genannten Fall sollte nicht aus einem einzelnen Merkmal auf die Zeichensetzung geschlossen werden.
Quellen und Stand
- Institut für Deutsche Sprache (grammis): Komma bei Nebensaetzen, amtliches Regelwerk: grammis.ids-mannheim.de (geprüft am 2026-09-13)
- Duden Sprachwissen: Sprachratgeber, Das Komma bei Infinitivgruppen: www.duden.de (geprüft am 2026-09-13)
- Duden Sprachwissen: Sprachratgeber, Kein Komma bei Infinitivgruppen: www.duden.de (geprüft am 2026-09-13)
Zum vollständigen Zusammenhang „Komma beim Infinitiv mit zu sicher prüfen“ gehören auch „Regelaufbau“.