Übersetzung
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Du hast deine Bachelorarbeit auf Englisch geschrieben oder eine englische Fassung gebraucht? Bevor du sie abgibst, lohnt sich ein systematischer Self-Check. Diese Liste deckt die typischen Stolperstellen ab, die im Lektorat immer wieder auftauchen.
Bevor du übersetzt: Quellen, Terminologie und Stilvorgaben fixieren
Die meisten Übersetzungsprobleme entstehen nicht beim Übersetzen selbst, sondern davor. Wer ohne Vorbereitung losschreibt, baut Inkonsistenzen ein, die später kaum noch aufzuräumen sind. Drei Dinge solltest du klären, bevor du das erste Kapitel anfasst.
1. Variante festlegen: Britisches oder amerikanisches Englisch? Das betrifft nicht nur colour vs. color, sondern auch Anführungszeichen, Datumsformate (12 June 2026 vs. June 12, 2026) und Kommasetzung (Oxford Comma ja oder nein). Viele Hochschulen schreiben eine Variante vor, andere lassen dir die Wahl, fordern aber Konsistenz.
2. Fachterminologie sammeln: Lege eine zweispaltige Tabelle mit deinen 30 bis 50 wichtigsten Fachbegriffen an. Übernimm englische Termini aus Quellen deines Forschungsfelds, nicht aus DeepL-Vorschlägen. Stichprobe ist je nach Kontext sample, random sample oder specimen – ein Tool kann das nicht zuverlässig unterscheiden.
3. Stilvorgaben prüfen: APA, Harvard, Chicago? Jeder Stil hat eigene Regeln für englische Zitate, Abkürzungen und Zahlen unter zehn. Wenn du erst beim Korrekturlesen merkst, dass du 200 Zahlenangaben falsch formatiert hast, kostet das einen ganzen Nachmittag.
False Friends, Anglizismen und die häufigsten Übersetzungsfehler
Eine Fehleranalyse zu maschineller Übersetzung von Wu et al. (2024) zeigt, dass Mistranslations mit rund 42 Prozent die mit Abstand häufigste Fehlerkategorie sind – also Stellen, an denen die Übersetzung formal lesbar bleibt, inhaltlich aber etwas anderes sagt als das Original. Genau diese Fehler übersieht man beim flüchtigen Drüberlesen.
Worauf du besonders achten solltest:
- False Friends: aktuell ist nicht actual, sondern current. Eventuell ist nicht eventually, sondern possibly. Bekommen ist nicht become, sondern get/receive. In Bachelorarbeiten finden sich diese Klassiker erstaunlich oft.
- Nominalstil: Deutsche Sätze sind voller Substantivierungen („die Durchführung der Untersuchung erfolgte“). Im Englischen klingt das hölzern. Aktiv und Verben wirken: We conducted the study.
- Falsche Tempora: Im Methodenteil schreibst du Past Simple (we measured). Im Abstract und in Schlussfolgerungen oft Present Perfect oder Present. Wechsel innerhalb eines Absatzes sind ein typisches Lektoratsthema.
- Artikel: Das deutsche „die Forschung“ wird im Englischen meist zu research ohne Artikel. The research meint eine konkrete, vorher genannte Studie.
- Wortstellung in Nebensätzen: Das Verb gehört im Englischen direkt hinters Subjekt, nicht ans Ende.

Übersetzungsplagiat: Wo die Grenze verläuft
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Wenn du englische Quellen ins Deutsche übersetzt (oder umgekehrt) und ohne Beleg übernimmst, ist das ein Übersetzungsplagiat. Klassische Plagiatssoftware erkennt das nur eingeschränkt, weil die Wortübereinstimmung auf den ersten Blick fehlt. Prüfungsausschüsse und moderne Detektoren mit cross-lingualer Erkennung finden solche Stellen trotzdem.
Praktische Regel: Auch wenn du einen englischen Originalsatz selbst übersetzt hast, brauchst du eine Quellenangabe. Sinngemäße Übernahmen kennzeichnest du mit „vgl.“ (oder cf.), wörtliche Zitate setzt du in Anführungszeichen und gibst die Originalformulierung in einer Fußnote an, wenn die Nuance entscheidend ist.
Besonders kritisch: Definitionen aus englischen Standardwerken, Methodenbeschreibungen aus Papern, Tabellenüberschriften. Das sind die Stellen, an denen Studierende am häufigsten unsauber arbeiten – meist nicht aus böser Absicht, sondern weil die Übersetzung „nur eine Hilfsoperation“ zu sein scheint. Ist sie nicht.
Die Self-Check-Liste vor der Abgabe
Plane für diesen Durchgang einen ganzen Tag ein. Druck die Arbeit aus oder lies sie am Tablet, nicht im Editor, in dem du sie geschrieben hast – das Auge übersieht im gewohnten Layout zu viel.
- Konsistenz BE/AE: Globale Suche nach den zehn häufigsten Doppelschreibungen (analyse/analyze, behaviour/behavior, modelling/modeling).
- Terminologie-Tabelle abgleichen: Jeder Fachbegriff aus deiner Liste muss überall gleich übersetzt sein.
- Abstract zuletzt prüfen: Das ist das Schaufenster. Lies es zweimal, am besten laut.
- Zahlen und Einheiten: Dezimalpunkt statt Komma, korrekte Einheitenschreibung, keine deutschen Tausenderpunkte.
- Eigennamen und Institutionen: Hat deine Hochschule eine offizielle englische Bezeichnung? Steht die überall identisch?
- Abbildungen und Tabellen: Beschriftungen, Achsen, Legenden – ein gerne vergessener Bereich.
- Literaturverzeichnis: Englische Titel bleiben im Original, deutsche Titel bekommen je nach Stil eine Übersetzung in eckigen Klammern.
- Quellenangaben bei Übersetzungen: Jede aus dem Englischen übertragene Stelle hat einen Beleg.
- Rechtschreibprüfung auf richtiger Sprache: Word und Co. springen gerne auf Deutsch zurück. Stelle die Sprache des gesamten Dokuments explizit ein.
- Vorlesen lassen: Die Text-to-Speech-Funktion deines Geräts findet Tempus-Brüche und fehlende Artikel zuverlässiger als das Auge.
Wenn du nach diesem Durchgang noch unsicher bist, lass mindestens das Abstract und die Einleitung von einer zweiten Person mit Englisch auf C1- oder Muttersprachniveau lesen. Diese beiden Abschnitte entscheiden den ersten Eindruck der Gutachter.

Was professionelle Lektorate zusätzlich abdecken
Ein Self-Check fängt vieles ab, aber nicht alles. Was du selbst kaum prüfen kannst: ob deine Argumentation auf Englisch tatsächlich so präzise klingt wie auf Deutsch, ob fachsprachliche Register stimmen (eine Bachelorarbeit klingt anders als ein Blogartikel), und ob die Idiomatik überzeugt. Übersetzungstools liefern hier oft Texte, die formal richtig, aber stilistisch durchschnittlich bleiben – und Prüfer merken das.
Lohnenswert ist ein professioneller Durchgang vor allem, wenn deine Arbeit später veröffentlicht wird, du dich für ein englischsprachiges Masterprogramm bewirbst oder die Note in den Notenspiegel deutlich einzahlt. Bei reinen Pflichtabstracts reicht oft die Self-Check-Liste plus eine zweite Lese.
Studien zum Thema
- Wu et al., Fehlerkategorien-Analyse maschineller Übersetzung (2024): Rund 42 Prozent aller identifizierten Übersetzungsfehler entfallen auf die Kategorie Mistranslation – also formal lesbare, inhaltlich aber abweichende Übertragungen. Quelle
- Scribbr-Ratgeber zum Übersetzungsplagiat (2024): Sinngemäße Übersetzungen aus fremdsprachigen Quellen ohne Beleg gelten als Plagiat, auch wenn die Wortübereinstimmung gering ist. Quelle
Bevor du deine finale Englisch-Übersetzung abgibst, lohnt sich ein letzter Durchgang mit frischen Augen – idealerweise am Tag nach dem Schreiben. Lies den Text laut vor: Stolpert deine Zunge über einen Satz, ist meist die Wortstellung schuld oder ein Nominalstil hat sich eingeschlichen. Prüfe gezielt die Übergänge zwischen den Kapiteln, denn dort wechseln viele Studierende unbewusst die Tempora oder die Variante. Ein zweiter Blick auf die Terminologie-Tabelle hilft ebenfalls: Tauchen alle Fachbegriffe konsistent in der festgelegten Form auf? Wer diese drei Schritte ernst nimmt, fängt erfahrungsgemäß die Mehrzahl der Restfehler ab, bevor das Lektorat überhaupt beginnt.