Self-Check-Liste für die englische Bachelorarbeit vor der Abgabe
Checkliste für die englische Fassung: Wichtige Kontrollpunkte
Ob du deine Bachelorarbeit direkt auf Englisch verfasst oder eine englische Fassung erstellt hast: Vor der Abgabe hilft ein systematischer Self-Check. Die folgende Prüfung führt dich gezielt durch sprachliche, formale und quellenbezogene Stolperstellen, die bei einer englischen Abschlussarbeit häufig erst im Lektorat sichtbar werden.
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Besonders eine Englisch-Übersetzung kann korrekt klingen und trotzdem Bedeutung, Fachsprache oder Stil des deutschen Originals unbemerkt verschieben. Deshalb solltest du nicht nur nach Rechtschreibfehlern suchen, sondern Inhalt, Terminologie und Einheitlichkeit getrennt kontrollieren.
Vor dem Übersetzen: Sprachvariante, Fachbegriffe und Zitierstil klären
Vorbereitung bildet die Basis für eine verlässliche englische Version. Werden wesentliche Festlegungen erst während der Bearbeitung getroffen, resultieren daraus inkonsequente Schreibgewohnheiten sowie Übersetzungen, die anschließend nur schwer harmonisiert werden. Definiere daher zunächst drei Kernaspekte, bevor du ins erste Kapitel einsteigst.
1. Variante festlegen: Wähle britisches oder amerikanisches Englisch und prüfe, ob deine Hochschule dazu Vorgaben macht. Die Wahl beeinflusst Schreibweisen wie colour oder color. Datumsdarstellung (12 June 2026 bzw. June 12, 2026), Anführungszeichen und Oxford Comma können zusätzlich vom Zitierstil oder von Hochschulvorgaben abhängen. Sind beide Varianten erlaubt, achte auf konsequente Einheitlichkeit.
2. Fachterminologie sammeln: Erstelle eine zweispaltige Tabelle mit deinen 30 bis 50 wichtigsten Fachbegriffen. Geeignete englische Termini findest du in Quellen aus deinem Forschungsfeld, nicht allein in Vorschlägen von DeepL. So kann Stichprobe abhängig vom Zusammenhang sample, random sample oder specimen bedeuten. Ein Tool erkennt diese fachliche Abgrenzung nicht zuverlässig.
3. Stilvorgaben prüfen: Stelle vorab fest, welcher Zitierstil gilt, etwa APA, Harvard oder Chicago. Konkrete Regeln zu Zitaten, Abkürzungen und Zahlen können sich je nach Stil und Fachvorgabe unterscheiden. Entdeckst du erst in der Schlusskorrektur, dass 200 Zahlenangaben anders formatiert werden müssen, bindet die Anpassung einen ganzen Nachmittag.

Typische Übersetzungsfehler: False Friends, Satzbau und Zeitformen
Bei der inhaltlichen Kontrolle reicht ein flüssiger Leseeindruck nicht aus. Eine Fehleranalyse zu Übersetzungen von Studierenden ordnet Mistranslations mit rund 42 Prozent als häufigste Fehlerkategorie ein. Gemeint sind verständlich formulierte Passagen, deren Aussage vom Original abweicht. Gerade weil solche Sätze sprachlich unauffällig wirken, fallen sie beim schnellen Lesen leicht durch.
Kontrolliere diese Bereiche in deiner Bachelorarbeit jeweils in einem eigenen Durchgang:
- False Friends: Übersetze aktuell nicht mit actual, sondern je nach Zusammenhang etwa mit current. Für eventuell passt häufig possibly statt eventually; bekommen kann je nach Zusammenhang get/receive bedeuten, während become „werden“ heißt. Solche täuschend ähnlichen Wortpaare führen in Arbeiten häufig zu Bedeutungsfehlern.
- Nominalstil: Übertrage deutsche Substantivierungen wie „die Durchführung der Untersuchung erfolgte“ nicht starr. Im Englischen ist eine aktive Formulierung mit Verb meist natürlicher, etwa We conducted the study.
- Falsche Tempora: Beschreibe abgeschlossene Schritte im Methodenkapitel häufig im Past Simple, zum Beispiel we measured. Im Abstract und in Schlussfolgerungen richtet sich die Zeitform nach der jeweiligen Aussage. Suche besonders nach unbeabsichtigten Wechseln innerhalb eines Absatzes.
- Artikel: Ist „Forschung“ allgemein gemeint, steht im Englischen meist research ohne Artikel. The research kann dagegen auf bestimmte Forschung verweisen, die aus dem Kontext hervorgeht.
- Wortstellung in Nebensätzen: Prüfe in einfachen Aussagesätzen, ob das finite englische Verb auf das Subjekt folgt. Die deutsche Endstellung darf nicht unbesehen übernommen werden.

Übersetzungsplagiat erkennen und Quellen korrekt belegen
Auch eine selbst angefertigte Übersetzung fremder Inhalte benötigt einen Beleg. Übernimmst du Inhalte aus einer englischen Quelle auf Deutsch oder aus einer deutschen Quelle auf Englisch, ohne die Originalquelle nachzuweisen, kann dies nach den Regeln deiner Hochschule als Übersetzungsplagiat bewertet werden. Technische Prüfungen können Hinweise liefern, ersetzen aber keine Prüfung von Quelle und Kontext.
Halte dich beim Self-Check an diese Faustregel: Übernimmst du Inhalte aus einer Quelle, auch in einer Übersetzung aus dem Englischen, gibst du die Originalquelle an. Kennzeichne sinngemäße und wörtliche Übernahmen nach dem Zitierstil deiner Hochschule. Die Abkürzung „vgl.“ oder cf. verwendest du nur, wenn der gewählte Stil sie vorsieht. Ob ein Kurzbeleg, eine Fußnote oder ein In-Text-Beleg verlangt wird, richtet sich nach Zitierstil und Fachvorgaben; bei eigener Übersetzung kann ein entsprechender Hinweis sinnvoll sein.
Kontrolliere insbesondere Definitionen aus englischen Standardwerken, Methodenbeschreibungen aus Papern und Tabellenüberschriften, wenn sie Inhalte aus Quellen übernehmen. Die Übersetzung ist dabei nur ein sprachlicher Zwischenschritt; maßgeblich bleibt der Nachweis der verwendeten Quelle.
Die Self-Check-Liste Schritt für Schritt abarbeiten
Plane für die abschließende Prüfung einen ganzen Tag ein. Lies das Manuskript gedruckt oder auf dem Tablet und nicht im selben Programm, in dem du es verfasst hast. Ein verändertes Layout schafft Abstand und macht Fehler sichtbarer, die dein Auge in der gewohnten Ansicht übergeht.
- Konsistenz BE/AE: Gehe das gesamte Manuskript auf wichtige Doppelvarianten durch, insbesondere analyse/analyze, behaviour/behavior und modelling/modeling.
- Terminologie-Tabelle abgleichen: Vergleiche jeden Fachbegriff aus deiner Liste mit allen Vorkommen im Text. Der festgelegte Begriff muss durchgehend einheitlich verwendet werden.
- Abstract zuletzt prüfen: Kontrolliere diesen besonders sichtbaren Teil nach allen übrigen Änderungen erneut. Lies ihn zweimal und möglichst laut.
- Zahlen und Einheiten: Prüfe Dezimalpunkte statt Kommas, die korrekte Schreibweise der Einheiten und entferne deutsche Tausenderpunkte.
- Eigennamen und Institutionen: Ermittle, ob deine Hochschule eine offizielle englische Bezeichnung verwendet, und schreibe sie an jeder Stelle identisch.
- Abbildungen und Tabellen: Beziehe Beschriftungen, Achsen und Legenden ausdrücklich in die Korrektur ein. Diese Texte werden leicht übersehen.
- Literaturverzeichnis: Richte die Angaben nach dem gewählten Zitierstil aus und verwende ihn durchgehend. Ob fremdsprachige Titel im Original bleiben oder eine Übersetzung in eckigen Klammern erhalten, hängt vom Stil und von den Hochschulvorgaben ab.
- Quellenangaben bei Übersetzungen: Stelle sicher, dass jede aus dem Englischen übertragene Passage aus einer fremden Quelle einen Beleg zur Originalquelle enthält. Bei eigener Übersetzung kann ein entsprechender Hinweis nach Zitierstil oder Hochschulvorgabe nötig sein.
- Rechtschreibprüfung auf richtiger Sprache: Markiere das gesamte Dokument, stelle die Prüfsprache ausdrücklich auf Englisch und kontrolliere, ob die Einstellung im gesamten Dokument angewandt wird.
- Vorlesen lassen: Nutze bei Bedarf die Text-to-Speech-Funktion deines Geräts. Beim Hören können Tempus-Brüche und fehlende Artikel oft auffallen; prüfe die betroffenen Sätze anschließend im Text, weil Aussprache und Wiedergabequalität die Wahrnehmung beeinflussen können.
Bleiben nach diesem Durchgang Zweifel, gib mindestens Abstract und Einleitung an eine zweite Person mit Englisch auf C1- oder Muttersprachniveau. Diese Abschnitte prägen den ersten Eindruck der Gutachter besonders stark.


Was ein professionelles Lektorat zusätzlich prüfen kann
Mit dem Self-Check beseitigst du viele klar erkennbare Fehler. Schwer selbst zu beurteilen bleibt jedoch, ob die englische Argumentation dieselbe Präzision wie die deutsche Fassung erreicht, ob das fachsprachliche Register einer Bachelorarbeit entspricht und ob Formulierungen idiomatisch wirken. Übersetzungstools erzeugen häufig formal richtige Texte, deren Stil dennoch durchschnittlich bleibt. Prüfer können diesen Unterschied wahrnehmen.
Ein professioneller Durchgang ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Arbeit später veröffentlicht werden soll, du dich für ein englischsprachiges Masterprogramm bewirbst oder die Note deutlich in den Notenspiegel einfließt. Für ein reines Pflichtabstract genügt häufig die Self-Check-Liste zusammen mit einem zweiten Lesedurchgang.
Quellen zu Übersetzungsfehlern und Übersetzungsplagiaten
- Studie zu Übersetzungsfehlern von Studierenden: Fehleranalysen können Kategorien wie Bedeutungsabweichungen unterscheiden; ihre Häufigkeit hängt jedoch von Sprachpaar, Textsorte und Untersuchungsdesign ab. Quelle: https://www.jostrans.org/article/download/7859/7571/19211
- Scribbr-Ratgeber zum Übersetzungsplagiat: Der Ratgeber erläutert, warum fremde Inhalte auch bei einer Übertragung in eine andere Sprache belegt werden müssen. Maßgeblich sind zusätzlich die Regeln der jeweiligen Hochschule. Quelle: scribbr.de/plagiat/uebersetzungsplagiat/
Schließe den Self-Check deiner Englisch-Übersetzung für die Bachelorarbeit möglichst mit frischem Blick am Tag nach dem Schreiben ab. Lies die finale englische Fassung laut vor. Stockst du bei einem Satz, prüfe zuerst die Wortstellung und mögliche Reste des deutschen Nominalstils. Kontrolliere danach gezielt die Übergänge zwischen den Kapiteln, weil dort Tempora oder Sprachvarianten leicht unbemerkt wechseln. Gleiche zum Schluss die gesamte Arbeit erneut mit deiner Terminologie-Tabelle ab. So kannst du prüfen, ob Fachbegriffe konsequent in der festgelegten Form erscheinen, und verbleibende Fehler vor einem möglichen Lektorat korrigieren.


