Weis oder weiß richtig schreiben: Verb, Farbe und Suffix
Weis oder weiß – die Wortart entscheidet
Weis oder weiß – bei diesem Paar landet man schnell beim falschen Buchstaben, weil der Diphthong ei einen langen Laut bildet. Dabei gibt es eine klare Regel: weiß mit ß gehört zum Verb wissen und zur Farbe, weis ohne ß steckt nur in der Nachsilbe -weise und in festen Bildungen wie weismachen. Hier bekommen Sie die Regel und viele Beispielsätze.
Ob Sie die Form richtig gewählt haben, prüfen Sie am Suffix: Steckt die Nachsilbe -weise im Wort, schreiben Sie weis ohne ß.
Weis oder weiß – wo liegt der Unterschied?
Die Frage weis oder weiß stellt sich immer dann, wenn der Diphthong ei auf einen s-Laut trifft. Die gute Nachricht: Es gibt eine klare Regel, die allein von der Wortart abhängt. Weiß mit ß gehört zum Verb wissen und zur Farbe. Weis ohne ß ist kein eigenständiges Wort, sondern steckt nur in der Nachsilbe -weise und in wenigen festen Bildungen wie weismachen. Wer also zuerst die Wortart bestimmt, wählt die Schreibung ganz automatisch richtig.

Das Verb wissen: er weiß mit ß
Das Verb wissen wird unregelmäßig gebeugt. In der ersten und dritten Person Singular heißt es ich weiß und er weiß, in der zweiten Person du weißt. Das ß steht hier immer, weil ein langer Laut vorausgeht. Erst im Präteritum wechselt der Stamm zu wusste, und im Partizip heißt es gewusst – beide ganz ohne ß.
- Ich weiß die Antwort nicht.
- Weißt du, wann der Zug fährt?
- Er weiß genau, was er will.
- Niemand weiß, wie es ausgeht.
Ein häufiger Auslöser für Verwechslungen ist außerdem das Verb weißen (eine Wand weiß streichen), das ähnlich klingt, aber etwas anderes meint: Wir weißen die Decke im Flur. Auch hier steht das ß, weil die Farbe im Wort steckt. Vom Verb wissen unterscheidet es sich klar in der Bedeutung.
Die Farbe und das Adjektiv weiß
Als Farbadjektiv schreibt man weiß ebenfalls mit ß: ein weißes Hemd, die weiße Wand, schneeweiß. Auch die substantivierte Farbe steht mit ß und wird großgeschrieben: das Weiß der Wolken, in Weiß gekleidet. Die Wortart ist hier eine andere als beim Verb, doch die Schreibung mit ß bleibt gleich – ein Grund, warum die Farbe selten Probleme bereitet.
- Sie trägt ein weißes Kleid.
- Das Papier ist blütenweiß.
- Im Winter liegt alles unter einer weißen Decke.
Groß steht die Farbe zudem in festen Verbindungen und Namen: das Weiße Haus, das Eiweiß oder das Schwarz-Weiß eines Fotos. Als reines Adjektiv nach einem Artikel bleibt sie dagegen klein: die weiße Fahne, der weiße Schnee. Entscheidend ist erneut, ob das Wort als Nomen oder als Eigenschaft auftritt.
Die Nachsilbe -weise und die Form -weis
Nur in der Nachsilbe -weise und in wenigen alten Bildungen steht weis ohne ß. Die Endung -weise macht aus Nomen und Adjektiven Adverbien: schrittweise, teilweise, ausnahmsweise, glücklicherweise. Dazu kommen die festen Wörter weismachen (jemandem etwas vormachen) und weissagen (voraussagen). Ein selbstständiges Wort weis existiert im heutigen Deutsch nicht mehr.
| Schreibung | Beispiel |
|---|---|
| -weise | schrittweise, teilweise, ausnahmsweise |
| weismachen | Das kannst du mir nicht weismachen. |
| weissagen | Sie wollte die Zukunft weissagen. |

Häufige Verwechslungen im Überblick
Die meisten Fehler entstehen, weil ei wie ein langer Laut klingt und dadurch unklar wird, ob ein einfaches s oder ein ß folgt. Diese Gegenüberstellung zeigt die typischen Stolperfallen:
| Falsch | Richtig |
|---|---|
| Ich weis es nicht. | Ich weiß es nicht. |
| ein weises Blatt Papier | ein weißes Blatt Papier |
| schrittweiße | schrittweise |
| weißmachen | weismachen |
Als Faustregel gilt: Sobald wissen oder die Farbe gemeint ist, steht ß. Nur die Endung -weise sowie weismachen und weissagen kommen ohne ß aus. Wer ganz sichergehen will, lässt seinen Text durch ein professionelles Korrekturlesen prüfen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu ähnlich klingenden Wörtern. Weise mit einfachem s und ohne ß bedeutet klug (eine weise Entscheidung) oder bezeichnet die Art und Weise (auf diese Weise). Dieses Wort hat mit dem Verb wissen nichts zu tun und wird niemals mit ß geschrieben. Wer die Bedeutungen sauber trennt, vermeidet die häufigsten Stolperfallen.
Schnelle Merkregel für die Schreibweise
Zum Abschluss die wichtigsten Punkte kompakt, damit die Entscheidung künftig in Sekunden fällt:
- Verb wissen: immer mit ß – ich weiß, du weißt, er weiß.
- Farbe und Farbadjektiv: immer mit ß – ein weißes Hemd, das Weiß.
- Endung -weise: immer ohne ß – teilweise, schrittweise, glücklicherweise.
- Feste Ausnahmen ohne ß: weismachen und weissagen.
Wer beim Thema Rechtschreibung insgesamt auf Nummer sicher gehen möchte, findet in unserer Übersicht der Rechtschreibregeln viele weitere Anleitungen. Auch der häufige Zweifelsfall das oder dass ist dort verständlich erklärt.
Weitere Regeln zu Rechtschreibung: Adjektive steigern, Silbentrennung und Rechtschreibung und Grammatik.