Was graue Literatur ist und wie man sie richtig zitiert
Warum graue Literatur mit Bedacht zu zitieren ist
Wichtige Quellen erscheinen nicht immer in einem Verlag oder einer Fachzeitschrift. Als graue Literatur gelten Publikationen von Behörden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder Verbänden, die nicht von kommerziellen Verlagen kontrolliert werden, etwa Reports, Forschungsberichte, Working Paper, Broschüren, behördliche Statistiken oder Positionspapiere von Verbänden. Wer graue Literatur zitieren möchte, muss zwei Fragen klären: Eignet sich die Quelle als Beleg, und wie wird sie nach dem geforderten Zitierstil korrekt zitiert? Dieser Ratgeber beantwortet beide Fragen und liefert Beispiele für typische Dokumenttypen.
Welche Quellen dazugehören
Der Name suggeriert mehr Geheimnisvolles, als tatsächlich dahintersteckt. Zur grauen Literatur zählen Veröffentlichungen, die nicht von kommerziellen Verlagen kontrolliert werden. Dazu zählen:
- Forschungsberichte und Working Paper von Instituten
- Merkblätter, Ratgeber und Broschüren von Verbänden und Behörden
- Statistiken, Geschäftsberichte und Positionspapiere
- Interne Studien sowie studentische Abschlussarbeiten, sofern sie nicht über einen kommerziellen Verlag veröffentlicht sind
Solche Quellen sind nicht immer in Bibliothekskatalogen verzeichnet. Sie lassen sich über eine gezielte systematische Literaturrecherche sowie auf den Websites der herausgebenden Organisationen finden. Die Abgrenzung ist nicht in jedem Fall eindeutig: Entscheidend ist vor allem, ob ein kommerzieller Verlag die Veröffentlichung kontrolliert, nicht ob ein bestimmter Vertriebsweg, eine ISBN oder eine Indexierung vorliegt.

Ist graue Literatur zitierfähig?
Im Grundsatz ja, jedoch mit Bedacht. Ob sich graue Literatur als wissenschaftlicher Beleg eignet, hängt von der jeweiligen Quelle und den Vorgaben der Hochschule oder Fachzeitschrift ab. Nachvollziehbarkeit, ein klar benannter Herausgeber und ein festes Erscheinungsdatum sprechen dafür. Ein anonymes PDF ohne Datum und ohne Urheber ist dagegen nur schwer einzuordnen.
Wichtig ist, dass die Quelle möglichst dauerhaft auffindbar und eindeutig identifizierbar ist. Wissenschaftlich begutachtete Fachliteratur ist häufig besonders aussagekräftig; graue Literatur kann sie je nach Fragestellung sinnvoll ergänzen. Achte auf die Transparenz der Entstehung, die fachliche Zuständigkeit des Herausgebers und mögliche Interessenlagen. Ein Report eines Forschungsinstituts lässt sich daher meist besser einordnen als ein undatiertes Merkblatt aus dem Internet.
Einsatzmöglichkeiten für graue Literatur
Für aktuelle Zahlen, Praxisberichte und offizielle Positionen kann graue Literatur eine wichtige Quelle sein, beispielsweise ein Statistikbericht einer Behörde oder ein Working Paper zu einem sehr jungen Thema. Ob sie als Beleg ausreicht, richtet sich nach der Aussage, der Qualität der Quelle und den jeweiligen Vorgaben.
Verlasse dich jedoch nicht ausschließlich darauf: Prüfe, ob es zu deiner Aussage auch eine begutachtete Quelle gibt, und ordne die Herkunft im Text ein, etwa mit der Formulierung laut einem Bericht des Umweltbundesamtes. Beachte außerdem die Zitierregeln deiner Hochschule oder des gewählten Publikationsorgans.
Elemente einer korrekten Quellenangabe
Welche Angaben in die Quellenangabe gehören, richtet sich nach dem gewählten Zitierstil und den institutionellen Vorgaben. Häufig gehören dazu:
- Urheber oder herausgebende Organisation
- Jahr der Veröffentlichung
- Dokumententitel und die Art, beispielsweise Broschüre, Bericht oder Working Paper
- Fundstelle: URL oder DOI; ein Abrufdatum, wenn der Zitierstil oder die Vorgaben es verlangen; bei Druckstücken der Bezugsweg
Wie du diese Bausteine grundsätzlich zusammensetzt, erklärt der Leitfaden Quellenangabe richtig erstellen. In der deutschen Zitierweise steht der Vollbeleg zusätzlich in der Fußnote. Fehlt ein persönlicher Autor, tritt die Organisation an dessen Stelle und wird alphabetisch wie ein Nachname einsortiert; fehlt ein Jahr, kennzeichnest du das mit dem Kürzel ohne Jahr, statt die Angabe einfach wegzulassen.

Beispiele für unterschiedliche Quellentypen
So kann eine Angabe grauer Literatur aussehen:
Working Paper: Herausgebende Organisation (Jahr): Titel des Working Papers (Reihe, Nummer). Erscheinungsort. URL (abgerufen am TT.MM.JJJJ).
Behördenbroschüre: Herausgebende Behörde (Jahr): Titel der Broschüre. Erscheinungsort. URL (abgerufen am TT.MM.JJJJ).
Die Beispiele verdeutlichen: Organisation, Titel und Fundstelle helfen der Leserschaft, die Quelle nachzuvollziehen. Bei rein digitalen Dokumenten kann es sinnvoll sein, eine Sicherungskopie anzulegen oder die Seite zu archivieren, weil Inhalte im Internet geändert oder nicht mehr erreichbar sein können.
Grenzen und häufige Fehler
Worauf du achten solltest:
- Fehlen Datum und Urheber, ist die Quelle schwer einzuordnen; prüfe, ob sie sich dennoch eindeutig identifizieren lässt und ob die jeweiligen Vorgaben eine Verwendung zulassen.
- Die Fundstelle wird ohne Abrufdatum genannt, obwohl der gewählte Zitierstil oder die institutionellen Vorgaben eines verlangen können.
- Sie wird ohne Prüfung der Aussagekraft und der Vorgaben als Ersatz für begutachtete Fachliteratur verwendet.
- Verbandspositionspapiere gelten als neutrale Quelle, ohne dass die Interessenlage bewertet wird.
Wer diese Kriterien beachtet und die Quelle transparent einordnet, kann ihre Aussagekraft nachvollziehbar darstellen.
Weitere Informationen zur Literaturarbeit: Dissertation zitieren, systematische Literaturrecherche und Primär- und Sekundärliteratur.
Ein häufiger Grenzfall sind Studienarbeiten aus Publikationsdiensten: GRIN zitieren und einordnen.