Priens Kulturkampf um die Rechtschreibung
Wenn die Ministerin den Kulturkampf befeuert, zahlen Studis die Rechnung
Karin Prien stand schon immer für strikte Bildungspolitik, jetzt ist sie laut taz zur „fanatischen Kulturkämpferin" geworden. Die Bundesbildungsministerin verbindet ihre queerfeindlichen Aussagen mit einem klaren Kurs gegen Gendersprache und sprachliche Vielfalt im Bildungsbereich. Was wie reine Tagespolitik klingt, hat handfeste Folgen für deine Bachelorarbeit, deine Hausarbeit und jedes Dokument, das du im Studium abgibst. Denn Priens Kulturkampf um die Rechtschreibung verschiebt gerade, was als korrekt gilt und was nicht. Wir zeigen dir, was hinter dem Vorwurf steckt, was sich an Schulen und Hochschulen konkret ändert und wie du deine Arbeiten so schreibst, dass sie sprachlich sauber durchgehen, egal wer gerade an der Spitze des Bildungsministeriums sitzt.
Was hinter dem Vorwurf gegen Prien steckt
Die taz hat Karin Prien in einem viel diskutierten Kommentar als „queerfeindliche Ministerin" bezeichnet, die „zur fanatischen Kulturkämpferin" mutiert sei. Du kannst den Originalbeitrag direkt auf taz.de nachlesen. Auslöser waren Äußerungen Priens zu Gendersprache, queeren Lebensentwürfen und der angeblichen „Verhunzung" der deutschen Sprache durch Sternchen und Doppelpunkte.
Der Vorwurf: Eine Bildungsministerin nutze ihr Amt nicht für sachliche Sprachpolitik, sondern für einen ideologischen Feldzug. Prien selbst weist die Kritik zurück und beruft sich auf den amtlichen Rat für deutsche Rechtschreibung, der Sonderzeichen im Wortinneren weiter nicht empfiehlt.
Für dich als Studi ist die Personalie weniger spannend als die Wirkung. Wenn die obersten Bildungsbehörden eine harte Linie gegen Gendersprache fahren, wird das in Schulen, Lehrerausbildung und mittelbar auch an Universitäten spürbar. Schon jetzt geben einzelne Hochschulen klare Vorgaben heraus, ob Sternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I in Abschlussarbeiten zulässig sind. Wer den Hintergrund kennt, kann besser einschätzen, warum das eigene Institut plötzlich strenger korrigiert.
Rechtschreibung als politisches Schlachtfeld
Rechtschreibung war in Deutschland nie eine reine Fachfrage, sondern immer auch ein Politikum. Die Reform von 1996 sorgte jahrelang für Bundestagsdebatten, Verlagsklagen und Schulgerichtsverfahren. Heute spielt sich der Streit weniger an „dass" und „daß" ab, sondern an Genderzeichen, Anglizismen und der Frage, was in offiziellen Texten erlaubt sein darf.
Politikerinnen wie Prien greifen das gezielt auf, weil Sprache ein Thema ist, das jede und jeden berührt. Für Studis bedeutet das: Die Spielregeln können sich kurzfristig verschieben, wenn Kultusministerkonferenzen oder einzelne Landesministerien neue Vorgaben erlassen. Ein Land verbietet das Gendersternchen an Schulen, das nächste empfiehlt es, das dritte überlässt es den Lehrkräften.
Wer eine Hausarbeit schreibt, sollte deshalb immer prüfen, welche Regelung an der eigenen Hochschule gerade gilt. Eine Übersicht über aktuelle Stilregeln im akademischen Kontext findest du auf unserer Seite zum wissenschaftlichen Schreiben. Dort sammeln wir auch die jeweils geltenden Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung, ergänzt um Hinweise, wie führende deutschsprachige Universitäten damit umgehen.
Gendern, Sternchen, Doppelpunkt: der Streit konkret
Im Zentrum des Konflikts stehen drei Schreibweisen, die Studierende ständig sehen:
- das Gendersternchen (Student*innen),
- der Genderdoppelpunkt (Student:innen),
- der Genderunterstrich (Student_innen).
Daneben kursieren das Binnen-I (StudentInnen) und neutrale Formen wie „Studierende". Der amtliche Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Sonderzeichen zum wiederholten Mal nicht in das amtliche Regelwerk aufgenommen. Sie sind damit nicht falsch, aber auch nicht offiziell gedeckt.
Genau hier setzt Priens Kritik an. Sie argumentiert, der Staat dürfe in Schulen nichts unterrichten, was außerhalb des amtlichen Regelwerks steht. Gegner werfen ihr vor, damit eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte zu blockieren.
Für deine Arbeit heißt das: Wenn dein Prüfer Gendern verlangt, sind neutrale Formulierungen wie „Studierende", „Lehrkräfte" oder Doppelnennungen („Studentinnen und Studenten") immer sicher. Sternchen und Doppelpunkt sind ein Risiko, wenn die Prüfungsordnung schweigt. Frage im Zweifel vor der Abgabe nach.
Was an Schulen schon entschieden ist
Mehrere Bundesländer haben Genderzeichen an Schulen bereits eingeschränkt oder verboten. Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt erlauben in offiziellen Schultexten nur die Schreibweisen aus dem amtlichen Regelwerk. Hamburg, Berlin und Bremen sind liberaler und lassen Sternchen oder Doppelpunkt zu, sofern Lehrkräfte das pädagogisch begründen.
Prien drängt nun auf eine bundesweit einheitliche Linie und will das Thema auf die Tagesordnung der Kultusministerkonferenz setzen. Für angehende Lehramtsstudis ist das brisant. Sie müssen in der Schulpraxis genau die Regeln umsetzen, die das Land vorgibt, auch wenn die eigene Uni eine andere Linie fährt. Wer im Referendariat in Bayern landet, kann an seinem Tafelbild nicht einfach Sternchen verteilen.
Umgekehrt gilt: Eine Schulpraxis-Reflexion, die das Gendern ohne Begründung ablehnt, wird in vielen Erziehungswissenschafts-Seminaren als unwissenschaftlich gewertet. Du bewegst dich also zwischen zwei Welten und solltest beide Regelwerke kennen, die amtliche Rechtschreibung und die Vorgaben deiner Hochschule. Eine gute Vorbereitung darauf liefert unser Artikel zu Rechtschreibung im Abitur, denn die dort beschriebenen Bewertungsraster gelten oft auch im Bachelor weiter.
Folgen für deine Hausarbeit und Bachelorarbeit
Was bedeutet das alles konkret für deine nächste Hausarbeit oder Bachelorarbeit? Drei Dinge solltest du beachten.
- Lies die Prüfungsordnung und das Merkblatt deines Lehrstuhls. Immer mehr Institute schreiben eine „geschlechtergerechte Sprache" vor, manche akzeptieren Sternchen, andere fordern Doppelnennungen.
- Sei konsistent. Wer einmal „Lehrer:innen" schreibt, muss diese Form im ganzen Dokument durchhalten. Wechsel zwischen Doppelpunkt, Sternchen und generischem Maskulinum wirken schlampig und kosten Punkte im Formalia-Teil.
- Denk an die Lesbarkeit. Auch wenn Gendern politisch korrekt ist, dürfen Sätze nicht zu Bandwurmkonstruktionen werden. Notfalls umformulieren, neutralisieren, Plural setzen.
Wer auf Nummer sicher gehen will, lässt seine Arbeit vor der Abgabe professionell prüfen. Ein gutes Lektorat erkennt Inkonsistenzen, prüft den Stil und stellt sicher, dass deine Arbeit den Vorgaben deiner Hochschule entspricht. Gerade bei großen Arbeiten wie Bachelor- oder Masterarbeiten lohnt sich der zweite Blick, weil ein einziger formaler Patzer eine ganze Note kosten kann.
Was Hochschulen aktuell vorgeben
Die Vorgaben an deutschen Hochschulen sind erstaunlich uneinheitlich. Die LMU München empfiehlt geschlechtergerechte Formulierungen, lässt aber das generische Maskulinum zu. Die HU Berlin bevorzugt explizit Sternchen oder Doppelpunkt. Die Uni Köln verweist nur auf „geeignete Mittel".
Diese Vielfalt spiegelt den politischen Streit und führt dazu, dass dieselbe Schreibweise in einer Hausarbeit Bestnoten bringt, in einer anderen Punktabzug. Ein Blick in das Stilhandbuch deines Instituts ist deshalb Pflicht, bevor du anfängst zu schreiben. Falls es kein Stilhandbuch gibt, frage deinen Prüfer schriftlich und lass dir die Antwort als Mail bestätigen. Diese kleine Vorsichtsmaßnahme erspart später Diskussionen.
Beachte außerdem, dass viele Promotionsordnungen für Dissertationen strenger sind als Bachelor- und Masterordnungen. Wer eine Doktorarbeit plant, klärt die sprachliche Form am besten direkt mit dem Doktorvater oder der Doktormutter, lange bevor das erste Kapitel steht. Auch der Trend zu jugendsprachlichen Verkürzungen, den wir in unserem Beitrag zu Schul-Sprache und Studium beleuchten, spielt in dieser Debatte eine Rolle.
Praktische Tipps für deine Arbeit
Damit du im Sprachstreit nicht zwischen die Fronten gerätst, hier ein praktischer Fahrplan für deinen nächsten Text:
- Kläre vor dem Schreiben die Vorgaben deiner Hochschule schriftlich.
- Lege dich auf eine Genderform fest und bleibe dabei.
- Nutze Neutralisierungen wie „Studierende", „Lehrkräfte", „Forschende".
- Vermeide Sonderzeichen in Überschriften, dort wirken sie besonders unruhig.
- Prüfe deine Arbeit am Ende mit einer Rechtschreibsoftware und einem Lektorat.
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Word und LanguageTool erkennen viele Genderfehler nicht zuverlässig. Ein professionelles Korrektorat findet Inkonsistenzen, falsche Endungen („der Lehrer:in" statt „die Lehrer:in") und unsaubere Doppelformen.
Für Bachelorarbeiten lohnt sich ein Komplett-Lektorat, für Hausarbeiten oft schon ein reines Korrektorat. Beides bekommst du transparent bepreist im Shop. Wer zusätzlich KI-Texte einsetzt, sollte vor der Abgabe einen KI-Detektor laufen lassen, denn ChatGPT generiert je nach Prompt mal Sternchen, mal generisches Maskulinum, mal Doppelpunkt. Eine saubere Endkontrolle schützt vor bösen Überraschungen in der Bewertung.
Quellen
- taz.de: Queerfeindliche Ministerin Karin Prien
- Rat für deutsche Rechtschreibung: Amtliches Regelwerk und Empfehlungen zu Sonderzeichen
- Kultusministerkonferenz: Beschlüsse zur Schulsprache