Eidesstattliche Erklärung richtig formulieren
Was Studis aus dem RBB-Fall über die eidesstattliche Erklärung lernen können
Wer eine Abschlussarbeit abgibt, unterschreibt am Ende fast immer eine eidesstattliche Erklärung. Sie ist kein Formalfetzen, sondern ein juristisch belastbares Dokument – das zeigt aktuell auch der Gelbhaar-Skandal beim RBB, nach dem der Sender seine Rechercheregeln verschärft hat und stärker auf eidesstattliche Versicherungen seiner Quellen setzt. Für Studis heißt das: Die kleine Unterschrift unter der Bachelor- oder Masterarbeit hat dieselbe rechtliche Logik wie die Beteuerung einer Quelle vor Gericht. In diesem Beitrag liest du, wie du eine eidesstattliche Erklärung richtig formulieren musst, welche Pflichtangaben 2026 dazugehören, wie der KI-Hinweis aussehen sollte und welche Folgen eine falsche Erklärung wirklich hat.
Was eine eidesstattliche Erklärung überhaupt ist
Die eidesstattliche Erklärung – manchmal auch eidesstattliche Versicherung oder Selbstständigkeitserklärung genannt – ist eine schriftliche Beteuerung, dass du deine Arbeit selbst verfasst und alle Quellen kenntlich gemacht hast. Rechtlich stützt sie sich auf §156 Strafgesetzbuch: Wer wissentlich falsch versichert, riskiert bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Das ist kein Papiertiger, sondern ein echter Straftatbestand.
An der Hochschule erfüllt die Erklärung zwei Funktionen. Sie schützt die Prüfungsordnung, weil das Prüfungsamt nur dann eine Note vergeben darf, wenn die Eigenleistung dokumentiert ist. Und sie schützt dich – denn ohne Erklärung könnte später jeder behaupten, du hättest abgeschrieben. Genau diese Doppelrolle macht das Dokument so wichtig: Es ist gleichzeitig Schutzschild und juristische Selbstverpflichtung.
Anders als ein einfacher Quellenhinweis ist die eidesstattliche Erklärung außerdem nicht widerrufbar. Hast du sie unterschrieben, gilt sie auch dann, wenn die Arbeit längst eingereicht und benotet ist. Eine spätere „Korrektur“ funktioniert nicht – ein Grund mehr, sie sorgfältig zu formulieren.
Was der RBB-Fall mit deiner Bachelorarbeit zu tun hat
Im Frühjahr 2026 hat der Rundfunk Berlin-Brandenburg nach dem Gelbhaar-Skandal eigene Rechercheregeln verschärft. Hintergrund: Eine zentrale Quelle hatte offenbar unter falschem Namen schwere Vorwürfe erhoben, der RBB veröffentlichte sie ohne ausreichende Prüfung. Der Sender verlangt nun in heiklen Fällen eidesstattliche Versicherungen seiner Informanten und mehrere unabhängige Belege. Die FAZ berichtete ausführlich über die neuen internen Standards.
Was hat das mit deiner Abschlussarbeit zu tun? Mehr, als du denkst. Beide Konstellationen – Journalismus und Wissenschaft – beruhen auf Vertrauen in Quellen. Wenn der RBB-Fall etwas zeigt, dann das: Eine Unterschrift unter einer eidesstattlichen Versicherung wirkt erst dann disziplinierend, wenn allen Beteiligten klar ist, was sie unterschreiben. Genau das gilt auch für dich am Ende der Bachelor- oder Masterarbeit.
Hochschulen ziehen daraus zunehmend Konsequenzen: Sie überarbeiten Mustertexte, ergänzen KI-Klauseln und prüfen Erklärungen automatisiert. Wer 2026 abgibt, sollte deshalb nicht den Vordruck von 2018 recyceln, sondern den aktuellen Text seines Prüfungsamtes nutzen.
Pflichtangaben in Bachelor- und Masterarbeit
Eine vollständige eidesstattliche Erklärung enthält 2026 in der Regel sechs Bausteine. Fehlt einer davon, weist das Prüfungsamt die Arbeit oft formal zurück – noch bevor sie inhaltlich gelesen wird.
- Eigenständigkeit: Du hast die Arbeit selbst verfasst.
- Quellenangabe: Alle Zitate, Daten und Gedanken Dritter sind kenntlich gemacht.
- Hilfsmittel: Eingesetzte Tools, inklusive KI-Systeme, sind aufgelistet.
- Erstmalige Einreichung: Die Arbeit wurde nicht schon woanders eingereicht.
- Datenschutz: Verwendete personenbezogene Daten sind anonymisiert oder es liegt eine Einwilligung vor.
- Unterschrift mit Ort und Datum: handschriftlich, nicht per Bilddatei eingefügt.
Wenn du gerade an deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit sitzt, lohnt es sich, diese Liste neben den Vordruck deines Prüfungsamtes zu legen und Punkt für Punkt abzuhaken. Manche Fakultäten verlangen die Erklärung sogar zweifach: einmal eingebunden in die Arbeit, einmal lose dem Druckexemplar beigelegt.
Der KI-Hinweis: Pflicht seit 2025
Seit dem Wintersemester 2025/26 verlangen die meisten deutschen Hochschulen einen expliziten Hinweis darauf, ob und wie du KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder DeepL eingesetzt hast. Das gilt auch dann, wenn du nur Rechtschreibung geprüft oder Synonyme gesucht hast. Wer hier schweigt, riskiert eine Täuschungsanzeige – selbst wenn die Arbeit inhaltlich tadellos ist.
Eine saubere Formulierung kann so aussehen: „Ich habe folgende KI-gestützten Werkzeuge verwendet: ChatGPT (Version 4o) zur Ideenfindung in Kapitel 2, DeepL zur Übersetzung englischer Quellen, Grammarly zur Rechtschreibprüfung. Inhaltliche Aussagen, Argumentationsstruktur und Ergebnisse stammen ausschließlich von mir.“ Diese Genauigkeit klingt nach Bürokratie, schützt dich aber zuverlässig.
Wer unsicher ist, ob ein Tool als KI gilt, sollte im Zweifel angeben. Mehr Hintergrund liefert unsere Seite zur akademischen Integrität sowie der ältere Beitrag Einsatz von KI an Unis. Wenn du am Ende prüfen willst, ob KI-Anteile auffallen würden, hilft ein KI-Detektor – nicht zur Verschleierung, sondern um die eigene Erklärung realistisch zu formulieren.
Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
In der Praxis tauchen vier Fehler immer wieder auf. Sie wirken klein, kosten aber im Ernstfall die Note oder den Abschluss.
- Veralteter Vordruck: Der Text aus dem Skript des älteren Geschwisters fehlt KI-Klausel und Datenschutz-Passus.
- Digitale Unterschrift: Eine als Bild eingefügte Signatur gilt vielen Prüfungsämtern nicht als „eigenhändig“.
- Falsche Tatsachen: Du gibst „keine KI verwendet“ an, obwohl du DeepL für eine Quelle genutzt hast – juristisch eine falsche Versicherung.
- Doppelte Verwertung: Du baust ein Hausarbeits-Kapitel von vor zwei Semestern ein, ohne es als Selbstzitat zu kennzeichnen.
Besonders der letzte Punkt wird unterschätzt. Auch eigene, schon einmal benotete Texte gelten als Fremdleistung im Sinne der Prüfungsordnung, wenn du sie nicht ausweist. Wer eine Hausarbeit später teilweise in die Bachelorarbeit übernimmt, muss das transparent machen – sonst kollidiert die Eigenständigkeit mit der Realität.
Was passiert bei einer falschen Erklärung?
Die Folgen einer falschen eidesstattlichen Erklärung treffen dich auf drei Ebenen. Erstens prüfungsrechtlich: Die Arbeit wird mit 5,0 bewertet, in vielen Bundesländern droht zusätzlich der Ausschluss vom Studiengang. Zweitens zivilrechtlich: Bereits verliehene Titel können entzogen werden, im schlimmsten Fall noch Jahre später – siehe diverse Politiker-Fälle.
Drittens, und das übersehen viele, strafrechtlich. §156 StGB sieht für eine falsche Versicherung an Eides statt eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Auch eine fahrlässige Falschangabe kann nach §161 StGB mit bis zu einem Jahr Haft geahndet werden. In der Praxis enden die meisten Fälle zwar mit Geldstrafe und Eintrag ins Führungszeugnis – das reicht aber, um Karrieren in Beamtentum, Justiz oder öffentlichem Dienst zu kippen.
Plagiatssoftware ist 2026 Standard an deutschen Unis. Eine professionelle Plagiatsprüfung vor Abgabe ist daher kein Misstrauensvotum gegen dich, sondern eine vernünftige Versicherung gegen versehentliche Fehler. Lieber ein Hinweis vorher als ein Verfahren nachher.
Mustertext und konkrete Formulierungen
Hier eine 2026-kompatible Vorlage, die die meisten deutschen Prüfungsordnungen abdeckt. Den genauen Wortlaut deines Prüfungsamtes solltest du trotzdem prüfen, weil einzelne Hochschulen abweichende Pflichtformeln vorgeben.
„Ich versichere an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfasst, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe. Eingesetzte KI-gestützte Werkzeuge habe ich vollständig in Anhang X aufgelistet. Die Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegen. Mir ist bekannt, dass eine falsche Versicherung an Eides statt nach §§156, 161 StGB strafbar ist.“
Diese Formulierung deckt Eigenständigkeit, KI-Hinweis, Erstvorlage und Strafbarkeitsbelehrung ab. Eine ausführlichere Variante speziell für Bachelorthesen findest du auf unserer Seite Eidesstattliche Erklärung Bachelorarbeit. Wer nebenbei am wissenschaftlichen Stil feilt, wird auf wissenschaftliches Schreiben fündig.
Quellen
- FAZ – Nach Gelbhaar-Skandal: Neue Rechercheregeln im RBB (04.05.2026)
- Strafgesetzbuch §§156, 161 – Falsche Versicherung an Eides statt
- Hochschulrektorenkonferenz: Empfehlungen zur Kennzeichnung KI-gestützter Hilfsmittel in Prüfungsleistungen, 2025
- Deutscher Hochschulverband: Leitlinien zur akademischen Integrität, Ausgabe 2025/26
Quellen
FAZ – Nach Gelbhaar-Skandal: Neue Rechercheregeln im RBB