Studieren ohne Abi – Voraussetzungen und Wege
Studieren ohne Abi – mehrere Wege zur Hochschule
In Deutschland kann auch ohne Abitur studieren, wer eine berufliche Qualifikation und Berufserfahrung hat. Die rechtliche Grundlage hat sich seit 2009 verbessert; mittlerweile beginnen jährlich rund 8.000 Personen ein Studium ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung. Dieser Beitrag erklärt die Voraussetzungen, die Wege und worauf zu achten ist.
Drei Wege zum Studium ohne Abi
- Meister oder vergleichbare Fortbildung – allgemeine Hochschulreife.
- Berufsausbildung + 3 Jahre Berufserfahrung – fachgebundene Hochschulreife (in dem Berufsfeld passenden Studiengängen).
- Begabtenprüfung (Hochschule) – individuelle Eignungsprüfung.
Meister und gleichwertige Fortbildungen
Meisterprüfung (Handwerk oder IHK), Fachwirt, Techniker, Erzieher mit staatlicher Anerkennung – diese Abschlüsse berechtigen seit 2009 zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung. Du kannst alle Studiengänge studieren, theoretisch sogar Medizin – mit NC und entsprechenden Wartezeiten.
Berufsausbildung plus Berufserfahrung
Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung im erlernten Bereich hat, kann fachgebunden studieren. Beispiel: Industriekaufmann/-frau mit 3 Jahren Erfahrung kann BWL studieren, aber nicht zwangsläufig Medizin.
Eignungsprüfung / Hochschulprüfung
An einigen Hochschulen kann man eine individuelle Eignungsprüfung ablegen. Inhalt: schriftliche und mündliche Prüfung im Fachbereich. Wer besteht, ist für genau diesen Studiengang an dieser Hochschule zugelassen. Vorbereitung dauert 6–12 Monate, oft mit Vorbereitungskursen der Hochschulen.
Beratung und Beratungsstellen
- Studienberatung der Hochschule – wichtigste Anlaufstelle.
- Servicestelle Studium ohne Abitur (Stiftung Mercator) – bundesweit.
- Zentrale Studienberatung der Hochschulen – meistens auch für Beruflich-Qualifizierte.
Finanzierung
BAföG ist auch für beruflich Qualifizierte möglich, ohne Altersgrenze (bis 45). Aufstiegs-BAföG (für Meisterausbildung) ist eine eigene Förderschiene. Der Bildungskredit und Stipendien für beruflich Qualifizierte (z. B. Aufstiegsstipendium) sind weitere Möglichkeiten.
Studieren als Berufstätiger
Viele beruflich Qualifizierte arbeiten weiter und studieren parallel. Berufsbegleitendes Studium, Abendstudium oder Fernstudium sind die häufigsten Modelle. Mehr unter Abendstudium und Fernstudium.
Statistiken zum Studienerfolg
Studierende ohne Abitur haben in der Regel sehr hohe Studienerfolgsquoten – oft besser als klassische Studienanfänger. Sie sind älter, motivierter und bringen Praxiserfahrung mit. Die Abbrecherquote ist niedriger als bei klassischen Studienanfängern.
Häufige Hürden – und wie sie gelöst werden
- Mathematik-Lücken nach Jahren Berufstätigkeit – Vorbereitungskurse der Hochschulen.
- Wissenschaftliches Schreiben ungewohnt – Schreibwerkstatt der Hochschule.
- Vereinbarkeit Familie / Beruf / Studium – Teilzeitstudium nutzen.
- Soziales Umfeld jünger – Gruppen für nicht-traditionelle Studierende suchen.
Beispiel: typischer Werdegang
Ein 28-jähriger Industriekaufmann mit 5 Jahren Berufserfahrung in einem mittelständischen IT-Unternehmen entscheidet sich für ein berufsbegleitendes BWL-Studium an einer FH. Er bewirbt sich mit der fachgebundenen Hochschulreife (über die Berufserfahrung), nimmt am Eignungstest der Hochschule teil und beginnt nach 3 Monaten Vorbereitung das Studium. Sein Arbeitgeber finanziert die Studiengebühren teilweise.