Studieren ohne Abi – Voraussetzungen und Wege

Studieren ohne Abi – mehrere Wege zur Hochschule

Lesezeit ca. 8 Min. · aktualisiert: 2. September 2025 · zurück zum Blog

In Deutschland kann auch ohne Abitur studieren, wer eine berufliche Qualifikation und Berufserfahrung hat. Die rechtliche Grundlage hat sich seit 2009 verbessert; mittlerweile beginnen jährlich rund 8.000 Personen ein Studium ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung. Dieser Beitrag erklärt die Voraussetzungen, die Wege und worauf zu achten ist.

Drei Wege zum Studium ohne Abi

Meister und gleichwertige Fortbildungen

Meisterprüfung (Handwerk oder IHK), Fachwirt, Techniker, Erzieher mit staatlicher Anerkennung – diese Abschlüsse berechtigen seit 2009 zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung. Du kannst alle Studiengänge studieren, theoretisch sogar Medizin – mit NC und entsprechenden Wartezeiten.

Berufsausbildung plus Berufserfahrung

Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung im erlernten Bereich hat, kann fachgebunden studieren. Beispiel: Industriekaufmann/-frau mit 3 Jahren Erfahrung kann BWL studieren, aber nicht zwangsläufig Medizin.

Eignungsprüfung / Hochschulprüfung

An einigen Hochschulen kann man eine individuelle Eignungsprüfung ablegen. Inhalt: schriftliche und mündliche Prüfung im Fachbereich. Wer besteht, ist für genau diesen Studiengang an dieser Hochschule zugelassen. Vorbereitung dauert 6–12 Monate, oft mit Vorbereitungskursen der Hochschulen.

Beratung und Beratungsstellen

Finanzierung

BAföG ist auch für beruflich Qualifizierte möglich, ohne Altersgrenze (bis 45). Aufstiegs-BAföG (für Meisterausbildung) ist eine eigene Förderschiene. Der Bildungskredit und Stipendien für beruflich Qualifizierte (z. B. Aufstiegsstipendium) sind weitere Möglichkeiten.

Studieren als Berufstätiger

Viele beruflich Qualifizierte arbeiten weiter und studieren parallel. Berufsbegleitendes Studium, Abendstudium oder Fernstudium sind die häufigsten Modelle. Mehr unter Abendstudium und Fernstudium.

Statistiken zum Studienerfolg

Studierende ohne Abitur haben in der Regel sehr hohe Studienerfolgsquoten – oft besser als klassische Studienanfänger. Sie sind älter, motivierter und bringen Praxiserfahrung mit. Die Abbrecherquote ist niedriger als bei klassischen Studienanfängern.

Häufige Hürden – und wie sie gelöst werden

Beispiel: typischer Werdegang

Ein 28-jähriger Industriekaufmann mit 5 Jahren Berufserfahrung in einem mittelständischen IT-Unternehmen entscheidet sich für ein berufsbegleitendes BWL-Studium an einer FH. Er bewirbt sich mit der fachgebundenen Hochschulreife (über die Berufserfahrung), nimmt am Eignungstest der Hochschule teil und beginnt nach 3 Monaten Vorbereitung das Studium. Sein Arbeitgeber finanziert die Studiengebühren teilweise.

Studienzugang, Eignungsprüfungen und Wege ohne Abitur erklärt unser Studi-Tipps-Blog.

Häufige Fragen zu Studium ohne Abi

Kann ich auch Medizin ohne Abi studieren?

Theoretisch ja, mit Meisterabschluss. Praktisch sehr schwer wegen NC und Wartezeiten. Realistisch sind Studiengänge ohne harten NC oder mit Eignungsprüfung.

Brauche ich einen besonderen Notenschnitt?

Bei NC-freien Studiengängen: nein. Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen wird die Meister-Note herangezogen. Bei der Eignungsprüfung zählt das Prüfungsergebnis.

Wie lange dauert das Studium ohne Abi?

Genauso lange wie mit Abi (Bachelor 6–8 Semester). Im Teilzeitstudium oder berufsbegleitend entsprechend länger – bis zu 10 Semestern üblich.

Bekomme ich BAföG ohne Abi?

Ja. Maßgeblich ist die Hochschulzugangsberechtigung – mit Meisterabschluss oder fachgebundener Berechtigung BAföG-fähig wie reguläre Studierende. Mehr unter BAföG-Antrag.

Werde ich an der Uni schief angesehen?

Eher selten. Hochschulen sind für beruflich Qualifizierte offen, viele bieten gezielte Beratung. Einzelne Dozenten und Studierende mögen kommentieren – im akademischen Alltag ist das aber kaum ein Thema.

Welche Hochschulen sind besonders offen?

FernUni Hagen (alle Studiengänge per Fernstudium), IU Internationale Hochschule (privat, sehr flexibel), staatliche Hochschulen mit Schwerpunkt Berufstätige – z. B. HTW Berlin, Hochschule Niederrhein, Hochschule Wismar.