Vollplagiat: Definition und Beispiele erklärt
Vollplagiat – die schwerste Form des Plagiats
Das Vollplagiat gilt als die schwerste Form akademischer Täuschung: Eine fremde Arbeit wird ganz oder nahezu vollständig als eigene Leistung eingereicht. Typisch sind gekaufte Bachelorarbeiten, Texte von Ghostwritern oder die Übernahme der Arbeit einer bekannten Person. Weil die Konsequenzen so einschneidend ausfallen, werden Definition, Beispiele und Folgen im Folgenden ausführlich erklärt.
Was bedeutet ein Vollplagiat?
Gemeint ist die vollständige oder nahezu vollständige Übernahme eines fremden Textes, ganz gleich ob mit oder ohne oberflächliche Retuschen. Selbst wenn du Namen ersetzt, den Satzbau umbaust oder hier und da ein Wort austauschst, bleibt es ein Vollplagiat, sobald der überwiegende Teil der Arbeit von jemand anderem stammt.
Welche Konsequenzen hat ein Vollplagiat?
- Die Arbeit wird mit 5,0 bewertet und gilt als nicht bestanden.
- Bei Wiederholung oder besonders schweren Fällen droht die Exmatrikulation.
- Nachträglicher Entzug des akademischen Titels (etwa bei Guttenberg, Schavan oder von der Leyen).
- Reputations- und Karriereschäden bei Personen des öffentlichen Lebens.
- Bei gekauften Arbeiten zusätzlich juristischer Ärger mit dem Verkäufer.
Wird ein Vollplagiat entdeckt?
In den allermeisten Fällen ja. Wörtlich übernommene Passagen deckt moderne Plagiatssoftware zuverlässig auf. Und selbst wenn die Software schweigt, wecken Stilbrüche, ein plötzlich gehobener Schreibstil oder Themen, die so gar nicht zum bisherigen Studienverlauf passen, schnell das Misstrauen der Prüfenden.
Prominente Fälle in Deutschland
- Karl-Theodor zu Guttenberg (2011): Doktortitel entzogen, danach Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers.
- Annette Schavan (2013): Aberkennung des Doktorgrads, in der Folge Rücktritt als Bildungsministerin.
- Ursula von der Leyen (2015): öffentliche Plagiatsvorwürfe, der Doktorgrad blieb jedoch bestehen.
So vermeidest du ein Vollplagiat
- Kaufe niemals fertige Arbeiten und lass sie auch nicht von Ghostwritern verfassen.
- Schreibe deine Arbeit grundsätzlich selbst, von der ersten bis zur letzten Zeile.
- Nutze vor der Abgabe eine Plagiatsprüfung.
Einen Überblick über sämtliche Varianten findest du im Hub Plagiatuntertypen.
Akademische und rechtliche Tragweite
Ein nachgewiesenes Vollplagiat zieht Konsequenzen nach sich, die weit über die betroffene Arbeit hinausreichen. Deutsche Hochschulen bewerten die Arbeit in aller Regel mit „nicht bestanden", oft kommt noch eine Sperrfrist von einem oder mehreren Semestern hinzu.
Wiederholt sich der Betrug oder betrifft er eine Abschlussarbeit, kann sogar die Exmatrikulation folgen. Fällt das Plagiat erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Abschluss auf, lässt sich der akademische Grad nachträglich aberkennen. Die Reihe prominenter deutscher Fälle reicht bis in höchste politische Ämter, und die mediale Wucht solcher Enthüllungen ruiniert nicht selten Karriere und Ansehen.
Auch strafrechtlich sollte man ein Vollplagiat nicht unterschätzen. Wer urheberrechtlich geschützte Texte ohne Erlaubnis nutzt, muss mit Schadensersatzforderungen der Rechteinhaber rechnen. Und weil die Eigenständigkeitserklärung einer Abschlussarbeit einer Versicherung an Eides statt gleichkommt, kann sogar ein Straftatbestand erfüllt sein.
Verhindern lässt sich all das durch sauberes Quellenmanagement: Jede Quelle schon während der Recherche festhalten, wörtliche Übernahmen markieren und Paraphrasen deutlich als solche kennzeichnen. Vor der Abgabe empfiehlt sich eine Plagiatsprüfung, die deinen Text mit umfangreichen Datenbanken abgleicht. Selbst ein Copy-Paste Plagiat wird dabei sicher aufgedeckt, und dieser kleine Aufwand ist ungleich günstiger als die späten Folgen.
Wer befürchtet, versehentlich zu viel übernommen zu haben, fährt mit einer offenen Selbstanzeige am Lehrstuhl meist besser: Hochschulen werten Ehrlichkeit in aller Regel milder als ein verschwiegenes und erst später enttarntes Vollplagiat.
