Studium mit Kind – Vereinbarkeit, Finanzierung, Hilfen
Studium mit Kind – Vereinbarkeit, Finanzierung, Beratung
Studieren mit Kind ist anspruchsvoll, aber machbar. Über 100.000 Studierende in Deutschland haben mindestens ein Kind. Hochschulen, Studierendenwerke und Bund bieten zahlreiche Hilfen – von Kinderzuschlag im BAföG über Teilzeitstudium bis hin zu Kita-Plätzen am Campus. Wer diese Angebote kennt, kann das Studium erfolgreich abschließen, ohne das Kind aus den Augen zu verlieren. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Aspekte zusammen.
Wer studiert mit Kind?
Etwa 6 % aller Studierenden in Deutschland haben mindestens ein Kind. Häufiger sind ältere Studierende und Master-Studierende betroffen, viele auch Berufsbegleitend-Studierende. Die durchschnittliche Studienzeit verlängert sich um 1–2 Semester, was die Hochschulen aber kennen und akzeptieren.
Teilzeitstudium – die wichtigste Stütze
Fast alle deutschen Hochschulen bieten ein Teilzeitstudium an. Du belegst weniger Module pro Semester (oft 50 % oder 75 % des Vollzeitpensums), die Regelstudienzeit verlängert sich entsprechend. Vorteile: weniger Druck, mehr Zeit fürs Kind, kein Verlust des Studienplatzes. Antrag meistens beim Prüfungsamt. Wichtig: Teilzeitstudium kann BAföG-Anspruch beeinflussen – vorher beim Studierendenwerk klären.
BAföG mit Kinderzuschlag
Im BAföG gibt es einen Kinderzuschlag von 160 € monatlich pro Kind unter 14 Jahren. Wichtig: der Kinderzuschlag muss separat beantragt werden, sonst entgeht er dir. Außerdem werden für jedes Kind Freibeträge auf das Elterneinkommen erhöht – das verbessert deine BAföG-Chancen. Mehr Details unter BAföG-Antrag.
Kita-Plätze am Campus
Studierendenwerke betreiben an vielen Hochschulen eigene Kindertagesstätten oder kooperieren mit lokalen Kitas. Vorteile: Plätze sind oft bezahlbar, in der Nähe des Campus, Öffnungszeiten passen zu Vorlesungen. Wartelisten sind aber häufig. Empfehlung: bereits im Schwangerschaftstrimester anmelden.
Mutterschutz und Elternzeit im Studium
Seit 2018 gilt Mutterschutz auch für Studierende. Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt darf die Hochschule keine Pflichten verlangen. Bei Komplikationen oder Frühgeburten verlängert sich der Schutz. Elternzeit im Studium gibt es nicht im klassischen Sinne, aber ein Urlaubssemester ist die Alternative – beim Studierendenwerk beantragen, BAföG läuft weiter.
Finanzielle Unterstützung – Übersicht
- BAföG mit Kinderzuschlag (160 €/Kind/Monat bei Kindern unter 14).
- Kindergeld (250 €/Kind/Monat).
- Elterngeld (sofern du vorher gearbeitet hast – Mindestens 300 €, maximal 1.800 €/Monat für 12–14 Monate).
- Stipendien für Studierende mit Kind (Hildegardis-Verein, ELES).
- Wohngeld bei niedrigem Einkommen (alternativ zu BAföG).
- Bildungsgutscheine der Stadt für Kita.
Vereinbarkeit – praktische Tipps
- Veranstaltungen geblockt buchen, damit Kinderbetreuung planbar bleibt.
- Online-Vorlesungen nutzen, wo möglich – Aufzeichnungen schauen, wenn das Kind schläft.
- Lerngruppe mit anderen Eltern gründen – gegenseitige Hilfe bei Krankheit.
- Hausarbeiten in der Stillzeit / nachts / während Kinderschlaf schreiben.
- Klausurtermine möglichst nicht in den Schulferien – wenn doch, frühzeitig Betreuung organisieren.
Beratungsstellen
Jede deutsche Hochschule hat eine Beratungsstelle für Studierende mit Kind, oft beim Studierendenwerk oder bei der Frauen-/Gleichstellungsbeauftragten. Beratung ist kostenlos und vertraulich. Themen: BAföG mit Kind, Kita-Plätze, Teilzeitstudium, psychologische Beratung. Auch externe Stellen wie Pro Familia oder Caritas helfen mit konkreten Tipps.
Beispiele: Hochschulen mit guten Angeboten
- Universität Kassel – Audit „Familiengerechte Hochschule".
- TU München – breites Kita-Angebot, eigenes Familien-Service-Büro.
- Universität Bremen – Eltern-Wohnplätze.
- Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – Mentoring-Programm für Eltern-Studierende.
Master und Promotion mit Kind
Im Master und in der Promotion ist Studium mit Kind oft einfacher als im Bachelor – mehr Selbstständigkeit, flexiblere Zeiteinteilung. Promotionsstipendien für Eltern (z. B. von der Studienstiftung des deutschen Volkes) berücksichtigen die Lebensumstände. Eine Doktorarbeit zu schreiben mit Kind ist anspruchsvoll, aber regelmäßig erfolgreich.
Häufige Hürden – und wie sie gelöst werden
- Kita-Wartezeit zu lang → Tagesmutter, Großeltern oder geteilte Betreuung.
- Krankheit des Kindes → Krankschreibung des Kindes über Hausarzt + Hochschule informieren, kulant in den meisten Fällen.
- Klausuren nicht möglich → Nachteilsausgleich beantragen.
- Geldprobleme → Sozialberatung des Studierendenwerks, Härtefallfonds.