Qualitative Inhaltsanalyse

Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring und Kuckartz

Lesezeit ca. 7 Min. · zuletzt aktualisiert: 26. April 2026 · alle Methoden

Die qualitative Inhaltsanalyse ist die wahrscheinlich häufigste Auswertungsmethode für Interviews und Texte in deutschen Bachelor- und Masterarbeiten. Zwei Schulen dominieren: Philipp Mayring (Klagenfurt) und Udo Kuckartz (Marburg). Beide sind systematisch, regelgeleitet und nachvollziehbar – was qualitative Forschung wissenschaftlich tragfähig macht. Wir zeigen dir, wie beide Schulen funktionieren, wie du Kategorien bildest und welche Software du nutzen kannst.

Was ist qualitative Inhaltsanalyse?

Eine systematische Auswertung von Texten – meistens Interviewtranskripten, manchmal auch Zeitungsartikeln, Social-Media-Posts oder anderen Dokumenten. Du zerlegst den Text in Sinneinheiten, ordnest jede Einheit einer Kategorie zu, und ziehst aus den Kategorien Schlüsse. Anders als „einfaches Lesen und Interpretieren" folgt die Inhaltsanalyse festen Regeln, die du dokumentierst.

Mayring vs. Kuckartz – die zwei Schulen

Beide sind wissenschaftlich anerkannt. Welche du wählst, hängt vom Lehrstuhl und persönlichen Präferenzen ab.

Schritte der Inhaltsanalyse

  1. Material aufbereiten – Transkription der Interviews.
  2. Forschungsfrage konkretisieren – was willst du analysieren?
  3. Kategoriensystem entwickeln – deduktiv (aus Theorie) oder induktiv (aus dem Material) oder Mischform.
  4. Codierleitfaden erstellen – welche Textstellen gehören in welche Kategorie?
  5. Material codieren – jede Sinneinheit einer Kategorie zuordnen.
  6. Auswertung – Häufigkeiten, Vergleiche zwischen Fällen, Identifikation von Mustern.
  7. Ergebnisdarstellung – mit repräsentativen Zitaten aus den Interviews.

Deduktive vs. induktive Kategorienbildung

Beispiel-Codierleitfaden

Kategorie: Motivation durch Lerngruppen

Definition: Aussagen, die beschreiben, wie die Teilnahme an Lerngruppen die Motivation der Studierenden beeinflusst.

Ankerbeispiel: „Wenn ich weiß, dass die anderen auf mich warten, lerne ich viel disziplinierter als alleine." (Interview 3, Z. 45–47)

Abgrenzung: Aussagen über reine Wissensvermittlung gehören nicht hierher, sondern in die Kategorie „Inhaltliche Klärung".

Software: MAXQDA, ATLAS.ti, QDA Miner

Bei mehr als 5 Interviews lohnt sich Software:

Bei 2–4 Interviews kannst du auch in Word oder Excel codieren – mit farbigen Markierungen oder Spalten.

Häufige Fehler

Mehr typische Stolperfallen findest du in unserem Beitrag zu häufigen Fehlern in Bachelorarbeit und Masterarbeit. Im professionellen Lektorat wird besonders die Konsistenz zwischen Codierleitfaden und Auswertungsergebnissen geprüft.

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Häufige Fragen zur qualitativen Inhaltsanalyse

Mayring oder Kuckartz – welche Schule wählen?

Beide sind anerkannt. Mayring ist klassischer und wird oft in Lehrbüchern eingeführt. Kuckartz ist enger mit MAXQDA verbunden – wenn du diese Software nutzt, ist Kuckartz oft der natürliche Anschluss. Im Zweifel die Betreuerin fragen.

Wie viele Interviews brauche ich?

5–10 ist ein guter Richtwert für Bachelorarbeit, 10–15 für Masterarbeit. Wichtiger als die Zahl ist die theoretische Sättigung – wenn neue Interviews keine neuen Kategorien mehr bringen, hast du genug.

Brauche ich eine zweite codierende Person?

Bei einer Bachelorarbeit meist nicht – allein zu codieren ist Standard. Bei einer Masterarbeit oder höher wird Doppelcodierung mit Berechnung der Intercoder-Reliabilität empfohlen. Schau in deinem Lehrstuhl-Leitfaden.

Wie viele Kategorien sollte mein System haben?

5–15 Hauptkategorien, je nach Komplexität. Mehr wirkt unübersichtlich, weniger zu grob. Pro Hauptkategorie können 2–4 Subkategorien sinnvoll sein.

Reicht es, Häufigkeiten zu nennen?

Nein – Häufigkeiten allein machen die Analyse nicht qualitativ. Wichtig ist die inhaltliche Interpretation: Was bedeuten die Aussagen? Welche Muster gibt es zwischen Fällen? Welche Erklärungen sind plausibel? Häufigkeiten ergänzen die Analyse, ersetzen sie nicht.