Interview führen für die Bachelorarbeit – Leitfaden

Interview – Leitfaden, Durchführung, Auswertung

Lesezeit ca. 3 Min. · aktualisiert: 25. September 2025 · zurück zum Blog

Wer in der Bachelorarbeit qualitativ forscht, kommt am Interview oft nicht vorbei. Es liefert Tiefe, die Umfragen nicht erreichen, kostet aber auch deutlich mehr Zeit – für die Vorbereitung, die Durchführung, die Transkription und die Auswertung. Dieser Beitrag fasst zusammen, wie ein wissenschaftliches Interview von der Konzeption bis zur Analyse abläuft.

Welche Interview-Form?

  • Strukturiertes Interview: festgelegte Fragen in fester Reihenfolge.
  • Halbstrukturiert / Leitfaden-Interview: vorbereitete Themenblöcke, flexibel im Ablauf. Im Bachelorbereich Standard.
  • Narrative Interviews: offene Frage als Auftakt, Erzählung im Fokus. Anspruchsvoll auszuwerten.
  • Experten-Interviews: spezielle Form mit Fachpersonen, oft kürzer.

Leitfaden erstellen

Ein guter Leitfaden hat 4–6 Themenblöcke mit jeweils 2–4 Fragen. Insgesamt 15–20 Fragen für ein einstündiges Interview. Beginnt mit warmen Einstiegsfragen (Beruf, Erfahrung) und arbeitet sich zu den heiklen Kernfragen vor. Pretest mit 1–2 Personen vor der Hauptphase.

Interview führen für die Bachelorarbeit: Ablauf in 5 Schritten

Interview-Partner finden

  • Eigenes Netzwerk (LinkedIn, Hochschulkontakte, Praktikum).
  • Fachliche Foren und Communities.
  • Schneeball-Prinzip – Interviewpartner empfehlen weitere.
  • Direkte Anfragen an Unternehmen oder Verbände.

Vorbereitung des Interviews

  • Einwilligungserklärung (DSGVO!) vorbereiten.
  • Aufnahmegerät testen.
  • Über den Interviewpartner und sein Fachgebiet informieren.
  • Persönliche Nervosität reduzieren – Probedurchläufe machen.

Durchführung

  • Begrüßung, kurze Erklärung der Studie und Einwilligung einholen.
  • Aufnahme starten, kurz warten, dann mit der ersten Frage beginnen.
  • Aktiv zuhören, Verständnisfragen stellen.
  • Nicht eigene Meinung einbringen.
  • Pausen aushalten – führen oft zu tiefen Antworten.
  • Am Ende: Möglichkeit für ergänzende Anmerkungen geben.

Transkription

Die wörtliche Verschriftlichung ist zeitintensiv – Faustregel: 1 Stunde Interview = 4–6 Stunden Transkription. Tools wie Amberscript, Otter.ai oder Whisper können den Prozess beschleunigen, brauchen aber manuelle Nachbearbeitung. Bei sensiblen Daten lokal arbeiten (Whisper offline).

Häufige Fehler beim Interview für die Bachelorarbeit vermeiden

Auswertung

  • Inhaltsanalyse nach Mayring – sehr verbreitet im deutschen Raum.
  • Coding mit Tools wie MAXQDA, ATLAS.ti oder NVivo.
  • Manuell mit Excel: Zitate kategorisieren, Muster extrahieren.
  • Triangulation – Befunde mit Literatur abgleichen.

DSGVO und Ethik

  • Einwilligung vor Beginn schriftlich einholen.
  • Anonymisierte Transkripte erstellen (keine Klarnamen).
  • Aufnahmen sicher speichern und nach Abgabe löschen.
  • Interviewpartner über Verwendung informieren.

Häufige Fehler

  • Leitfaden zu lang – mehr als 25 Fragen sprengt den Rahmen.
  • Suggestivfragen, die die Antwort vorgeben.
  • Aufnahme nicht oder schlecht gemacht.
  • Transkriptions-Aufwand unterschätzt.
  • Auswertungsmethode nicht im Methodik-Kapitel beschrieben.

Wie viele Interviews sind genug?

Im Bachelorbereich 6–10 Interviews. Wichtig ist die theoretische Sättigung – wenn neue Interviews keine neuen Erkenntnisse bringen, ist die Stichprobe ausreichend. Mehr unter Methodik der Bachelorarbeit.

Mehr zu qualitativer Forschung, Auswertung und Empirie liest du in unseren Beiträgen für Studierende.

Häufige Fragen zu Interview

Wie lange dauert ein Bachelor-Interview?

30–60 Minuten ist üblich. Kürzer wird es schwierig, alle Themen abzudecken. Länger wird der Interviewpartner ungeduldig.

Muss ich Telefon-/Video-Interviews zulassen?

Ja, das ist mittlerweile Standard – per Zoom, Teams oder Telefon. Gleicher Inhalt, nur die persönliche Ebene fehlt etwas. Die Aufnahme funktioniert in den meisten Tools eingebaut.

Was tun, wenn ein Interviewpartner abspringt?

Ersatz suchen, früh genug. Faustregel: 25 % Reserve einplanen, also für 8 geplante Interviews 10 Personen anfragen.

Brauche ich für die Transkription bezahlte Tools?

Nein. Whisper (Open Source, OpenAI) kann lokal genutzt werden. Für hochwertige Transkriptionen lohnen sich Amberscript oder Otter.ai – ab ca. 10 €/Stunde Audio.

Wer transkribiert, ich oder ein Service?

Bei sensiblen Daten unbedingt selbst transkribieren oder lokale KI nutzen. Bei nicht-sensiblen Daten kann ein Transkriptions-Service Zeit sparen, kostet aber Geld. Wie das Transkript anschließend zitiert wird, zeigt Interview zitieren und transkribieren.

Muss ich die Interviewpartner anonymisieren?

Ja. Klarnamen, Unternehmen und identifizierende Details werden im Transkript ersetzt – z. B. „Person A, IT-Manager, mittelständisches Unternehmen". Das ist Standard und schützt die Interviewpartner.

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